Affoltern

Dällebach Kari in der Schaukäserei Affoltern

AffolternVom Schulranzen über das Zeugnis bis hin zum Testament: In der Schaukäsi Affoltern werden Dinge und Dokumente aus dem Leben des legendären Coiffeurs Dällebach Kari gezeigt, der in Bern wirkte, aber im Emmental aufgewachsen war.

Vor der Schaukäserei Affoltern wird man neuerdings von Dällebach Kari begrüsst.

Vor der Schaukäserei Affoltern wird man neuerdings von Dällebach Kari begrüsst. Bild: Daniel Fuchs

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Die junge Frau hat sich so intensiv mit dem berühmtesten Coiffeur der Schweiz befasst, dass sie ihn persönlich zu kennen meint. «Manchmal träume ich sogar von ihm», verrät Claudine Etter. Mit einer Gedenkausstellung wirbt sie für die kommenden Thuner Seespiele, wo ein Musical über den Stadtberner Coiffeur Dällebach Kari aufgeführt wird.

Trotz ihres persönlichen Bezugs zum legendären Stadtberner Original erfuhr sie erst durch die Erzählungen ihrer Eltern von ihm – der Grossvater hingegen kannte ihn gut. «Mich fasziniert sein gegensätzliches Rollenspiel: im Salon der coole Sprücheklopfer, der alle Welt zum Lachen bringt – zu Hause der einsame, verzweifelte Trinker.» Niemandem gelang es, hinter Karis Maske zu schauen. Das Wort «Depression» gab es noch nicht, Psychiater und Psychologen waren nicht fürs einfache Volk da. Er hatte keine Freunde, es gab keine Hilfe – am Ende nur ein kühles Grab in der Aare.

Nicht gut genug?

«Wie kam es denn, dass Dällebach Kari so ein Original wurde?», fragte Fritz von Gunten bei der Ausstellungseröffnung in der Schaukäserei Affoltern. Er sei von der Gesellschaft ausgegrenzt worden, denn er kam mit einer Gaumenspalte zur Welt und lispelte. 1877 als zweitjüngstes von neun Kindern einer Bauernfamilie geboren, starb sein Vater, als er 4-jährig war. Bis auf die zwei Jüngsten wurden alle verdingt. In der Schule in Biglen war Kari Klassenbester. Er durfte Coiffeur lernen und überwand dann die Grenzen zur grossen Welt. Er zog nach Bern und eröffnete an der Neuengasse einen eigenen Salon.

Vornehme Leute liessen sich von ihm bedienen. Wer aber glaubte, ihn geringschätzig behandeln zu können, musste mit einer gepfefferten Antwort rechnen. Es entstanden viele wahre und erfundene Episoden über ihn. Er wurde berühmt für seine Schlagfertigkeit, seine Witze. Doch auch für seine Sauftouren. Er war verliebt in Annemareili, doch ihre Familie verbot ihm den Umgang mit ihr und gab ihm zu verstehen, dass er zu wenig sei. So suchte er wohl Trost im Alkohol.

Immer wieder sang er das traurige Lied «Wie die Blümlein draussen zittern». Er konnte seine Liebste nicht vergessen. Als er 1931 erfuhr, dass er Krebs hatte, gab es für ihn nur einen Ausweg: den Sturz in die Aare. Er schrieb einen Abschiedsbrief; sein letzter Wunsch war, dass man bei der Abdankung sein Lied singen solle.

Dinge, die von ihm erzählen

Die beiden Hauptdarsteller der Thuner Seespiele, Hanspeter Müller-Drossaart und Carin Lavey, dürfen zur Ausstellungseröffnung mit einer Coiffeurschere einen dicken Flachszopf durchschneiden. Oben an der Treppe beobachtet sie Karis Statue inmitten eines Schaumgebirges mit strenger Miene. Im Saal der Schaukäserei schliesslich finden sich berührende Szenen aus dem Leben des Unglücklichen, der dennoch so viel Heiterkeit zu verbreiten wusste: Schulranzen und Zeugnis, Coiffeurstuhl samt Utensilien und ein Emmentaler Blatt von anno 1912, Fotos, persönliche Gegenstände und auch sein Testament, «geschrieben in stiller Nacht».

Schlussendlich auch der Nachruf im «Berner Tagblatt»: «aber sein Andenken wird nicht so bald vergessen werden». (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.04.2010, 08:19 Uhr

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