Langenthal

Mundartisten: Neue Scheibe der Poesie-Rapper

LangenthalDie Langenthaler Hip-Hop-Crew Mundartisten lanciert am Wochenende ihr neues Album «M». Seit fast zehn Jahren machen die sechs Freunde gemeinsam Musik. Mit Erfolg: Bisher haben sie 130 Konzerte gegeben.

Produktives Kollektiv aus Langenthal: Die Mundartisten Fabio Bardelli, Hans-Jakob Mühlethaler, David Kohler, Jonas Leuenberger, Sven Günther und Dimitri Hefermehl (v.l.).

Produktives Kollektiv aus Langenthal: Die Mundartisten Fabio Bardelli, Hans-Jakob Mühlethaler, David Kohler, Jonas Leuenberger, Sven Günther und Dimitri Hefermehl (v.l.). Bild: zvg

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«Blauäugig» war 2006. Schlicht «M» nennen die Langenthaler Mundartisten ihr jüngstes Album, das sie am Wochenende in Bern und Langenthal vorstellen. Ein 17 Tracks umfassendes Werk, entstanden in Eigenregie von der Produktion bis zum Cover. «Klar wäre es bei sechs Leuten vielleicht einfacher, sich auf einen Produzenten zu verlassen», sagt Bassist Fabio «Fux» Bardelli. Jedoch: Ein Produzent könne auch Gift sein. «Denn wir sind vor allem ein Freundeskreis, dann erst eine Band», betont der 31-jährige Möbelschreiner.

Chrigus Leidensweg

Eine Gruppe Freunde waren die Mundartisten schon bei ihrem ersten Auftritt vor fast zehn Jahren. «Das war ein magischer Moment», erinnert sich David «Knackeboul» Kohler (28) an diesen ersten Schritt vors Publikum. «Ich wusste: Das wird Geschichte schreiben», sagt der MC und Radiomoderator lachend, «zumindest für uns.»

Kohler sollte damit nicht ganz unrecht behalten. Die Mundartisten sind heute fester Bestandteil des Langenthaler Kulturlebens und haben sich längst auch über die Region hinaus einen Namen gemacht. 130 Konzerte haben sie mittlerweile gegeben. Und der Film «Chrigu» (2007) hat sie auch einem Hip-Hop-fremden Publikum bekannt gemacht. In diesem Selbstporträt dokumentiert Chrigu seinen Leidensweg: Der junge Mann erkrankt an einem Tumor und stirbt. Chrigu war ein Freund der Mundartisten.

Fusion mit Pop und Elektro

Nicht zuletzt dadurch sind die Mundartisten über die Jahre hinweg auch gewachsen, an Erfahrungen wie an Ansprüchen. Dem Hip-Hop haben sie zwar stets die Treue gehalten, sich aber auch vor anderen Einflüssen nicht verschlossen. «Wir machen Musik, die unserem Alter entspricht», sagt David Kohler. Zum Hip-Hop sind Elektro- und auch Popelemente hinzugekommen, die Worte haben an Bedeutung gewonnen.

Die Texte seien es denn auch, die Hip-Hop selbst für ein älteres Publikum spannend mache, ist Fabio Bardelli überzeugt. Und Kohler bestärkt: «Rap ist im Grunde nichts anderes als Poesie. Du musst nur hinhören.» Schon Mani Matter sei doch eigentlich ein Rapper gewesen, sagt er lachend. «Auch für uns ist Hip Hop eine Möglichkeit, vom Alltag abzuschalten und Dinge zu verarbeiten.»

Auftritt an Festival

Ihrer Musik liege eine positive Lebenseinstellung zugrunde, betont Kohler. Dass «M» auch nachdenklichere oder gar destruktive Elemente enthält, sei dazu kein Widerspruch. «Du kannst nicht zu 100 Prozent glücklich sein, ohne gewisse Sachen zu ignorieren.» Kohler ist überzeugt: «‹M› ist das qualitativ Beste, was wir bisher hervorgebracht haben.»

Im bandeigenen Studio auf dem Porzi-Areal haben die Mundartisten lange getextet und getüftelt, gespielt und auch die Möglichkeiten der Technik ausgenutzt. Nebst Gastrappern aus der Region gaben selbst Dodo oder Delinquents-Habits-MC Yves Irie ihr Gastspiel auf «M».

Erstmals hätten sie nun aus einer Fülle an Tracks auswählen und auch Sachen wieder verwerfen können, erklärt Fabio Bardelli. Ein gewisser Purismus sei dadurch womöglich verloren gegangen, räumt er ein. Andererseits gebe «M» nun aber die Mundartisten in diesem Augenblick wieder. «Ein echtes Mundartisten-Album ist es geworden», sagt auch David Kohler.

Ein Album, das offenbar gefällt: Auf Radio Virus läuft «M» noch bis morgen Freitag jeweils im «Morgeplättli», Radio DRS3 stellt die CD ebenfalls morgen Freitag im «Black Music Special» vor, und bis im Herbst sind bereits Auftritte vom kleinen Clubkonzert bis hin zum grossen Festival mit 10'000 Besuchern geplant.

«Wir kommen schrittweise vorwärts», freuen sich David Kohler und Fabio Bardelli. «Vielleicht reichts ja doch noch für Platz 99 in den Charts.»

Mundartisten live: Freitag, 28. Mai um 22 Uhr, Wasserwerk Bern; Samstag, 21 Uhr, Kulturstall Langenthal. Weitere Daten und Infos unter www.mundartisten.ch. (Berner Zeitung)

Erstellt: 27.05.2010, 11:30 Uhr

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