Wer kämpft, hat Gegner

Walther Hofer war der bekannteste Schweizer Historiker, ein Kenner totalitärer Systeme – und eine grosse Stimme der Freiheit. Am Samstag ist er im 93. Lebensjahr verstorben.

Am Samstag ist er im 93. Lebensjahr nach kurzer Krankheit gestorben: Hofer vor drei Jahren daheim in Stettlen.

Am Samstag ist er im 93. Lebensjahr nach kurzer Krankheit gestorben: Hofer vor drei Jahren daheim in Stettlen.

(Bild: Adrian Moser)

Was für eine Anziehungskraft! Walther Hofer war Geschichtsprofessor in Bern, und seine Schüler kamen aus Deutschland und selbst aus Japan, um bei ihm studieren zu können. Wer das Privileg hatte, ihn zu kennen, den hat er beeindruckt durch sein scharfes Denken und das klare Urteil in geschichtlichen genauso wie in politischen Fragen.

Antikommunist von Anfang an

Hofer gehörte einer Generation an, die den Totalitarismus nationalsozialistischer und kommunistischer Prägung erlebt und erlitten hat. Sein Hauptwerk «Der Nationalsozialismus» entstand in Westberlin, wo er als junger Professor an die Freie Universität berufen wurde. Das Buch, in mehrere Sprachen übersetzt, wurde mit fünfzig Auflagen und fast anderthalb Millionen verkauften Exemplaren zum Klassiker. Hofer war international der bekannteste Schweizer Historiker seiner Zeit.

In der Frontstadt Berlin erlebte Hofer den sowjetischen Panzerkommunismus aus der Nähe, die Niederschlagung der Volksaufstände in Berlin 1953 und in Budapest 1956. Dabei lebte er als Zeithistoriker nicht im Elfenbeinturm; er betätigte sich auch als Berichterstatter für das «Echo der Zeit» des Schweizer Radios. Nach seiner Rückkehr lehrte er von 1960 bis 1988 als Professor für Allgemeine Geschichte an der Uni Bern.

Walther Hofers politisches Credo fusste auf der freiheitlichen Demokratie, dem Rechtsstaat und der offenen Gesellschaft westlicher Tradition. Sozialistischen Zeitgeistströmungen gegenüber blieb er resistent. Hofer war kein Leisetreter, er kämpfte offen gegen totalitäre Ideologien, wo immer sie auftraten, auch an den Universitäten. Wie neu aufgearbeitete Akten aus Berlin zeigen, waren die Spione der Stasi in der Zeit des Kalten Kriegs an den Schweizer Hochschulen rege tätig. Dass die roten ebenso wie die braunen Diktaturen auf dem Misthaufen der Geschichte landeten, war Hofer eine grosse persönliche Genugtuung.

Politiker und Medienwächter

Seine kämpferische Natur führte ihn auch in die Politik. Von 1963 bis 1979 war er Berner Nationalrat der BGB (der späteren SVP), wo er sich auf Fragen der Bildung und der Aussenpolitik spezialisierte. Er befürwortete den aktiven Kampf für die Menschenrechte in der Aussenpolitik; ein Novum in der damaligen Zeit. Auch im Europarat, wo er der parlamentarischen Delegation der Schweiz angehörte, war er eine viel beachtete Stimme für die Freiheit.

Den elektronischen Medien Radio und Fernsehen begegnete Hofer mit Misstrauen, weil sie viel Macht ausübten. Die von ihm gegründete und präsidierte Radio- und Fernsehvereinigung (SRFV), der «Hofer-Klub», kommentierte die Sendungen kritisch und wies des Öftern auf Einseitigkeiten hin, die nicht mit jener sachgerechten Berichterstattung in Einklang zu bringen waren, wie sie das Gesetz verlangte.

Viel Feind, viel Ehr

Wer kämpft, der hat auch Gegner: Hofers konsequente Haltung stiess auch auf Ablehnung und Unverständnis. Sein humorvoller Umgang mit den Menschen jedoch hat manch einer harten Auseinandersetzung die Spitze gebrochen. Nicht umsonst konnte Hofer zeitlebens viel Respekt und Achtung ernten. Deutschland verlieh ihm das Grosse Verdienstkreuz; Bundeskanzler Helmut Kohl, auch er Historiker, lobte seinen Beitrag zur Identitätsfindung der Bundesrepublik.

Walther Hofers Lebenswerk ist beeindruckend. Kollegen, Schüler und Freunde, aber auch die Schweiz als freier, demokratischer Rechtsstaat haben ihm viel zu verdanken. Das sei nicht vergessen.

Erwin Bischof lebt als Publizist und Historiker in Bern; er ist selbst ein Schüler Hofers. Sein neues Buch: Verräter und Versager. Wie Stasi-Spione im Kalten Krieg die Schweiz unterwanderten. Verlag Interforum, Bern 2013.

Der Bund

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