Zum Hauptinhalt springen

Selbsthilfegruppen für Superreiche

Wer finanziell ausgesorgt hat, ist deswegen noch lange nicht glücklich. Eine amerikanische Studie benennt, welche Sorgen und Probleme die Superreichen umtreiben. Es sind nicht wenige.

Sie haben alles - nur glücklich sind sie nicht: Die Superreichen.
Sie haben alles - nur glücklich sind sie nicht: Die Superreichen.

Schönheit, Jugend, Reichtum – das sind die Koordinaten, innerhalb derer sich die Träume der meisten Menschen auf diesem Planeten bewegen. Doch verheissen sie auch Glück? Nein, so legt eine Studie des Boston College Center on Wealth and Philanthropy nahe, die noch nicht publiziert, aber im Magazin «Atlantic Monthly» bereits vorgestellt wurde. Mitgemacht bei der Studie haben circa 165 Haushalte, 125 davon mit mindestens 25 Millionen auf der hohen Kante, also jene, die nach landläufigen Begriffen in totaler finanzieller Sicherheit leben. Die Studienleiter wollten herausfinden, wie Geld das Leben der Reichen und das ihrer Kinder beeinflusst. Resultat: Anstatt sich über ihre Privilegien zu freuen, scheinen extreme Vermögen vor allem eine Bürde zu sein.

Begrenzte Freuden unbegrenzten Konsums

Abgesehen von den wirklich Armen gebe es wohl niemanden, der sich mehr um Geld sorge, als die wirklich Reichen, so sagte einer der Studienleiter, Bob Kenny, gegenüber «Atlantic Monthly». «Sie sorgen sich darum, es zu verlieren, sie sorgen sich darum, wie sie es investieren sollen, sie sorgen sich darum, was es in ihrem Umfeld bewirken wird.» Die Freuden unbegrenzten Konsums, so zeigt die Studie, nutzen sich relativ schnell ab. Ironischerweise fühlen sich auch Menschen mit Millionenvermögen finanziell nicht abgesichert. Die meisten Studienteilnehmer gaben an, um sich sicher zu fühlen, bräuchten sie mindestens noch einen Viertel mehr Vermögen, als sie bereits besässen.

Aber nicht nur das treibt die Reichen um. Ihr Status entfremdet sie von all jenen, die selber nicht so vermögend sind. So bekannte die Partnerin eines Web-2.0-Millionärs bei der Studie, dass es ihr schwerfalle, über ihre Sorgen zu sprechen, seit sie Geld habe. Denn wann immer Reiche das tun, hören sie: Deine Probleme möchte ich haben. Dies hat zur Folge, dass die Reichen sich lieber mit anderen Reichen umgeben. Diese wüssten wenigstens, dass Reichtum auch eine Bürde sein kann. Was zu neuen Problemen führt: Jene am unteren Ende der Superreichen-Skala kommen unter sozialen Druck, wenn sie mit denen am oberen Ende mithalten wollen. Mit der Folge, dass gerade Haushalte im Bereich zwischen einer und 10 Millionen Dollar oftmals ihr ganzes Vermögen schnell wieder verlieren, wie Robert Frank in seinem Buch «Richistan» nachgewiesen hat. Weil sie versuchen, mit ihren neuen Superreichen-Freunden mitzuhalten.

Die Freuden der Arbeit

«Die allermeisten Menschen arbeiten. Damit verbringen sie ihren Alltag. Die Arbeit gibt auch das Umfeld ihrer sozialen Interaktionen mit anderen vor. Ein Leben ohne Arbeit wird schnell ziel- und sinnlos und entfremdet einen von der Welt.» Wie für fast alles, so gibt es in den Staaten bereits Selbsthilfegruppen für Superreiche, wie etwa die Organisation «More than Money», wo Studienleiter Kenny selber aktiv war. «Dort», so Studienleiter Bob Kenny, «sieht man dann Szenen wie folgende: Einer steht auf, sagt ‹Ich bin Bob Kenny und ich bin reich›, und dann bricht er in Tränen aus.»

Ein signifikanter Unterschied existiert zwischen jenen, die ihr Vermögen selber verdient haben und jenen, denen es durch Erbe zugefallen ist. Ein typisches Problem der letzten Gruppe ist, dass sie keinerlei Motivation hätten, selber etwas im Leben erreichen zu wollen, so Kenny. Ausserdem haben sie das Problem, immer im Schatten ihrer Eltern zu stehen. Diese Sorge wird nur noch übertroffen von der Befürchtung, ihr Umfeld könnte mehr an ihrem Geld interessiert sein als an ihnen selber. Die Eltern wiederum fürchten, ihr Nachwuchs könnte ob der grossen Geldmengen die Relationen zum wirklichen Leben verlieren.

Aber nicht jeder Reiche ist ein Schwerenöter. Das Problem mit dem Selbstwertgefühl ist bei jenen, die ihr Geld selber verdient haben, weniger verbreitet. Ihr Problem besteht eher darin, die Umwälzungen zu meistern, die der extreme Reichtum mit sich bringt. Arbeit ist keine Notwendigkeit mehr. Alte Freunde verschwinden, neue tauchen auf. Bei ihnen stellt sich das Problem in all seiner Dringlichkeit erst dann wieder, wenn es an die Kinder vererbt werden soll.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch