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Radio-Kritik: «Sturheit kann zur Katastrophe führen»

Bruno Jelk ist einer der bekanntesten Bergretter der Schweiz. Gestern sprach er in der Sendung «Focus» über undankbare Berggänger und wie man die Nerven auch bei Katastrophen behält.

Jeden Sommer ist es dasselbe. Aus Pech oder Selbstüberschätzung oder schlicht Dummheit geraten Bergtouristen in Not und vertrauen darauf, dass waghalsige Retter sie aus gefährlichen Situationen bergen. Bruno Jelk, Rettungschef in Zermatt, ist einer der bekanntesten Bergretter der Schweiz. Ein nüchterner pragmatischer Mensch, der sein Leben regelmässig aufs Spiel setzt, um andern zu helfen. Gerade gestern habe er 15 Leute vom Matterhorn retten müssen, berichtet er, obschon das Wetter für einen Helikopterflug nicht ideal war.

Ein Held, auch wenn er sich selber nicht so sieht, wie in dem Radiointerview schnell klar wird. Immer wieder spricht Jelk davon, dass dies ganz einfach seine Arbeit sei, die man nach bestem Wissen und Gewissen verrichte. Ein Job wie jeder andere? Vielleicht nicht ganz. Aber das Glück, so sagt er, sei sein wichtigster Begleiter, wenn er die Menschen aus Steilwänden und Gletscherspalten birgt.

Programmierte Leute

Während früher die Touristen oft schlecht ausgerüstet gewesen seien, liege heute das Problem bei den meisten Unfällen woanders, sagt Jelk. «Die Leute sind programmiert wie ein Computer. Die haben sich eine Tour vorgenommen und wollen die Verhältnisse nicht berücksichtigen, Infos vom Hüttenwart oder irgend sonst jemand.» So etwa ein Fall, bei dem drei Polen trotz schlechten Prognosen das Matterhorn besteigen wollten und dann von einem Wetterumsturz überrascht wurden. Trotz Sturm rückte Jelk mit 14 Bergführern aus, und sie fanden nachts um ein Uhr schliesslich zwei der drei Polen. Den dritten retteten sie am Morgen danach. Nach erfolgreicher Rettung, bei der auch die Retter sich einige Erfrierungen zuzogen, behaupteten die Berggänger, das Ganze wäre gar nicht nötig gewesen.

Macht ihn das wütend? Nein, sagt Jelk. Er bleibt immer sachlich, denn er ist sich sicher, dass die Leute am Berg umgekommen wären, wenn man sie nicht gerettet hätte. Moralpredigten sind seine Sache nicht. Sie wären wahrscheinlich auch vergeblich. Es stört ihn auch nicht, dass die wenigsten Menschen sich bedanken, wenn sie gerettet werden. «Die Leute haben oft Schuldgefühle. Wir möchten die Leute lebend zurückbringen und nicht tot. Das ist unsere Motivation und Befriedigung.» Es gebe aber auch rührende Szenen, wenn die Leute das Glück ihrer Rettung nicht fassen könnten, manchmal ergeben sich sogar bleibende Freundschaften, Leute, die sich regelmässig bei uns melden.

Fakten, Notwendigkeiten, Probleme

Interessant auch, was Jek über die Entscheidungsfindung in heiklen Situationen sagt. So liege etwa in der Routine die grösste Gefahr, denn dann sei man nicht mehr aufmerksam. Und Entscheide würden nie in der warmen Stube getroffen. «Als Erstes muss man rausgehen, sich die Verhältnisse anschauen.» Erst dann könne man entscheiden.

Nun möchte man auch gerne etwas über die Gefühlslage von Jelz erfahren, der schon so vielen Leuten das Leben gerettet hat. Doch Jelk lässt sich nicht in die Karten schauen. Ob es auch Momente gebe, da er weine, will die Moderatorin wissen. Doch Jelk weicht aus, kommt wieder zurück auf die Fakten, die Notwendigkeiten, Probleme und ihre Lösungen. Schliesslich macht dies den guten Retter aus, dass er von seiner Gefühlslage abstrahiert und analysiert. Einzig in der Musikwahl von Jelk, die durch Heimatlieder geprägt ist, verrät sich Sentimentalität. Schliesslich muss sich auch ein Retter mal entspannen können.

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