Zum Hauptinhalt springen

«Ob die Schweiz Juden aufnahm, spielte für die Deutschen keine zentrale Rolle»

Historiker Hans Ulrich Jost über den zweifelhaften Bundesrat von Steiger, Bücklinge gegenüber den Nazis und seinen Ärger über die aktuelle Zahlenklauberei.

Gäste aus Nazi-Deutschland: Joseph Goebbels (Mitte) und Aussenminister Freiherr von Neurath (rechts) in Genf an einer Versammlung des Völkerbunds. (Aufnahme vom Oktober 1933)
Gäste aus Nazi-Deutschland: Joseph Goebbels (Mitte) und Aussenminister Freiherr von Neurath (rechts) in Genf an einer Versammlung des Völkerbunds. (Aufnahme vom Oktober 1933)
Keystone
Blutige Auseinandersetzungen: Bei einer antifaschistischen Kundgebung töteten Rekruten der Schweizer Armee in Genf 9 Demonstranten, weitere 65 wurden verletzt. (Aufnahme vom 9. November 1932)
Blutige Auseinandersetzungen: Bei einer antifaschistischen Kundgebung töteten Rekruten der Schweizer Armee in Genf 9 Demonstranten, weitere 65 wurden verletzt. (Aufnahme vom 9. November 1932)
Keystone
Kriegsikone: Anne-Marie Blanc im Film «Gilberte de Courgenay». (1941)
Kriegsikone: Anne-Marie Blanc im Film «Gilberte de Courgenay». (1941)
Keystone
1 / 7

Herr Jost, die Rolle des BGB-Bundesrats Eduard von Steiger im Zweiten Weltkrieg ist umstritten. Wie stark hat er als Justizminister die Schweizer Flüchtlingspolitik tatsächlich beeinflusst? Von Steiger versuchte oft, heikle Entscheide auf andere abzuwälzen. Entscheide, die er im Nachhinein unterstützte. So hielt er es auch in der Flüchtlingspolitik. Im Sommer 1942 ging er in die Ferien und überliess die Grenzschliessung dem Chef der Fremdenpolizei, Heinrich Rothmund. Von Steiger scheute die offene Konfrontation, es gibt meines Wissens kein einziges Beispiel einer kraftvollen Intervention seinerseits. Er war als Führungspersönlichkeit ebenso mittelmässig wie als Intellektueller. Nach dem Krieg versuchte er, seine Politik der Kriegszeit reinzuwaschen.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.