Zum Hauptinhalt springen

Katholische und protestantische Kühe

Der Niedergang der traditionellen Religiosität hängt eng mit dem der traditionellen Landwirtschaft zusammen. Bis in die 60er-Jahre bildeten Hof und Kirche eine Symbiose.

Die traditionelle bäuerliche Kultur wurde in kurzer Zeit durch den Automobilismus, das Fernsehen und den Bauboom ausgehöhlt. (Bild vom Juni 1947)
Die traditionelle bäuerliche Kultur wurde in kurzer Zeit durch den Automobilismus, das Fernsehen und den Bauboom ausgehöhlt. (Bild vom Juni 1947)
Keystone
Der Zweite Weltkrieg hatte eine massive Aufwertung des Bauernstands zur Folge: Ein Bauer pflügt 1941 in Zürich einen Sportplatz.
Der Zweite Weltkrieg hatte eine massive Aufwertung des Bauernstands zur Folge: Ein Bauer pflügt 1941 in Zürich einen Sportplatz.
Keystone
Bauern versus Armee: Der Widerstand gegen den Waffenplatz in Rothenthurm wurde mit Moorschützern koordiniert. (30. September 1981)
Bauern versus Armee: Der Widerstand gegen den Waffenplatz in Rothenthurm wurde mit Moorschützern koordiniert. (30. September 1981)
Keystone
1 / 4

Im Freiämter Bauerndorf, in dem ich aufgewachsen bin, waren alle Menschen katholisch und alle Kühe braun. Da der Glauben und der Hof in unserem Denken und Handeln zusammengehörten, ging ich als Kind selbstverständlich davon aus, dass katholische Kühe braun und braune Kühe katholisch waren.

Der einzige Ausflug, der mich mit meiner autolosen und fernsehfreien Familie über die nähere Umgebung hinaus zu führen pflegte, war der Besuch bei den Rindern, die auf einer Alp im Entlebuch gesömmert wurden. Einmal sagte mir der Vater: «Dort oben ist die Grenze zwischen Luzernbiet und Bernbiet.» Da ich wusste, dass die Berner Protestanten waren, rannte ich – so schnell ich konnte – den Hügel hinauf, um zu erfahren, wie denn protestantische Kühe aussehen. Zu meiner grossen Erleichterung waren sie nicht braun, sondern rot gefleckt.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.