Jetzt spricht der Politologe

Es ist ein Phänomen der Vorwahlzeit: Alltagswissen wird zur Expertise. Eine Interview-Glosse.

Noch Fragen? Ein Politologe gibt sicher gern Auskunft.

Noch Fragen? Ein Politologe gibt sicher gern Auskunft.

(Bild: iStock/AndreyPopov)

Linus Schöpfer@L_Schoepfer

Journalist: Herr Politologe, wer gewinnt bei den Wahlen?
Politologe: Meine Auswertung von Zeitungsartikeln hat einen Grosstrend ergeben. Es ist der Klimawandel. Er ist derzeit ein wichtiges, wenn nicht das zentrale Thema. Weil sich die Grünen schon die ganze Zeit damit beschäftigen, könnten sie profitieren. Ebenso die Grünliberalen. Das sind allerdings nur Trends. Es kann auch anders kommen – je nachdem, wie gut die Parteien ihre Wählerbasis mobilisieren. Es gibt immer eine Change Possibility.

Change Possibility?
Genau. Abgesehen von all den flüchtigen Trends kann man sicher festhalten: Wer mehr Stimmen holt, macht das bessere Resultat.

Was ist mit der SVP, der grössten Partei?
Statistiken meines Instituts – es ist ja nicht so, dass eine aufmerksame Zeitungsleserin 95 Prozent von dem sagen könnte, was ich in meinen Interviews jeweils sage (lacht) – haben ergeben, dass die Partei schwächelt. In ihrem Kernthema, der Ausländerpolitik, konnte sie sich zuletzt nicht mehr so stark hervortun wie in den letzten Wahlen.

Die Positionen der SVP und der AfD sind weitgehend deckungsgleich, oder?
(erbleicht) Die Schweizer Politik ist stark von der Konkordanz geprägt. Die SVP, die 1971 aus der früheren Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei hervorgegangen ist, stellt heute mit Ueli Maurer und Guy Parmelin zwei der insgesamt sieben Bundesräte. In der Nachkriegszeit dominierte die sogenannte Zauberformel – zwei CVP-Sitze, zwei FDP-Sitze, zwei SP-Sitze, ein SVP-Sitz -, bis im Jahr…

Ich muss Sie kurz unterbrechen, um auf ein aktuelles Thema zu sprechen zu kommen: die Kampagne der CVP, die mit sogenannten Negative Ads arbeitet.
Das hat mich nicht überrascht. Es ist allerdings eine gefährliche Strategie: Weil es unsympathische Werbung ist, könnte sie die CVP Wähler kosten. Unsympathisch zu wirken kommt oft nicht gut an. Der Fall zeigt eine allgemeine Entwicklung: Das Internet wird immer wichtiger. Viele Kandidatinnen und Kandidaten wollen heute etwa auf der Social-Media-Plattform Facebook Likes holen. Einfach Plakate aufhängen, das reicht heute nicht mehr. Das muss man so hart sagen.

Kommen wir noch zur Kleinpartei BDP. Wie beurteilen Sie deren Form?
Ich schätze, die BDP dürfte etwa 3,5 Prozent holen, wobei die Fehlertoleranz meiner Einschätzung 5 Prozent beträgt.

Danke für das Interview...
Ich danke Ihnen. Meine Assistentin stellt Ihnen gerade die aktuellen Porträtbilder per Mail zu. Bitte nehmen Sie doch eins mit der auffälligen roten Brille.

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