In Einsteins Kopf

Mal poetisch, mal dynamisch: Das Tanzensemble von Konzert Theater Bern setzt das Leben und Denken von Universalgenie Albert ­Einstein in Bewegung um.

Poetisch: Tänzerin Nozomi Matsuoka in Aktion.

Poetisch: Tänzerin Nozomi Matsuoka in Aktion.

(Bild: Philipp Zinniker)

Helen Lagger@FuxHelen

Mit Lichterketten geschmückte Bäume, Tango tanzende Pärchen, Flirtversuche und eine Parkbank. Das ist die Szenerie im Tanzstück «C’est relative» des belgischen Duos Sara Olmo und Victor Launay der Compagnie Les Vikings. Die beiden thematisieren Albert Einsteins letzten Abend vor seiner Emigration in die Vereinigten Staaten.

Der Physiker jüdischer Herkunft verliess Berlin 1932 und sollte nie mehr dorthin zurückkehren. Die Choreografen haben letztes Jahr den Berner Tanzpreis der Tanzplattform Bern gewonnen.

Auch der taiwanesische Choreograf Po-Cheng Tsai erhielt den sogenannten Produktionspreis, da die Jury sich nicht zwischen den beiden Produktionen entscheiden konnte. Und so erhielten sowohl Sara Olmo und Victor Launay als auch Po-Cheng Tsai die Gelegenheit, mit der Tanzcompagnie von Konzert Theater Bern eine Choreografie zum Thema «Einstein» einzustudieren.

Naturalistisches Setting

Entstanden ist ein zweiteiliger Tanzabend, der mit Einfallsreichtum und in seiner Kurzweiligkeit besticht. Während Olmo und Launay einen Moment in Einsteins Leben beleuchten, taucht Po-Cheng Tsais Choreografie in die Tiefen von Einsteins Innenleben ab.

Beide Stücke haben ihren Reiz und bringen auf unterschiedliche Weise die Vielseitigkeit des Tanzensembles zur Geltung. Der erste Teil im naturalistischen Setting fasziniert mit eleganten Pas de deux, mit Hebefiguren und witzigen narrativen Details.

Ein Mann im Anzug (Toshitaka Nakamura), der für Einstein steht, blickt auf sein eigenes Leben und lässt sich von seinen Gedanken wortwörtlich davontragen. Poetisch und melancholisch wird hier Einsteins Abschied von Europa zelebriert.

Tanzende Synapsen

Kühl und dynamisch geht es im zweiten Teil des Abends zu und her. Po-Cheng Tsais Choreografie macht Einsteins Innenleben zum Thema. «Inception» erzählt von den Reizen, die Einsteins Denken beeinflussten.

Man sieht quasi die Synapsen tanzen. Etwa, wenn zwei Tänzerinnen sich ein fast gewalttätiges Spiel von Anziehung und Zurückweisung liefern oder die Truppe Fäuste schwingend marschiert, um den ratternden Denkapparat des Genies darzustellen.

Die Bühne (Till Kuhnert) erinnert an eine Fabrik mit sterilen Rohren. Nicht von ungefähr lässt Po-Cheng Tsai Mozarts «Ave verum corpus» erklingen. Für Einstein bildete Mozart den Inbegriff des Musikalischen.

Darüber, ob der Erfinder der Relativitätstheorie die beiden Stücke ihm zu Ehren gemocht hätte, kann nur spekuliert werden. Sein berühmtes Zitat «Das Leben ist wie ein Fahrrad – man muss sich vorwärtsbewegen, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren» passt jedenfalls wunderbar zu diesem Abend, an dem nichts stillsteht und einmal sogar ein pfeifender Velofahrer über die Bühne fährt.

«Einstein»: Vorstellungen bis 21. Juni, Vidmar 1, Liebefeld. Infos: www.konzerttheaterbern.ch.

Berner Zeitung

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