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Grosse Kritik an Knüsels Kürzungsforderung

Im Buch «Der Kulturinfarkt» fordern vier Autoren, darunter der Pro Helvetia-Direktor Pius Knüsel, radikale Einschnitte bei der deutschen Kulturförderung. Viele Kulturschaffenden reagieren entsetzt.

Will die Kultursubventionen radikal umschichten: Pro-Helvetia-Direktor Pius Knüsel.
Will die Kultursubventionen radikal umschichten: Pro-Helvetia-Direktor Pius Knüsel.
Keystone
Knüsel, Dieter Haselbach, Armin Klein und Stephan Opitz regen im Essay und in ihrem nächste Woche erscheinenden Buch «Der Kulturinfarkt» an, die Zahl der Kulturinstitutionen zu halbieren.
Knüsel, Dieter Haselbach, Armin Klein und Stephan Opitz regen im Essay und in ihrem nächste Woche erscheinenden Buch «Der Kulturinfarkt» an, die Zahl der Kulturinstitutionen zu halbieren.
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People are waiting for the start of the award night of the Zurich Film Festival on October 1, 2011 in the Opernhaus in Zuerich. (KEYSTONE/Samuel Truempy)
People are waiting for the start of the award night of the Zurich Film Festival on October 1, 2011 in the Opernhaus in Zuerich. (KEYSTONE/Samuel Truempy)
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Museumsleiter, Theaterintendanten sowie Kulturpolitiker werfen den Autoren Armin Klein, Pius Knüsel, Stephan Opitz und Dieter Haselbach Populismus vor. Nur wenige sehen in den provokanten Thesen den Impuls, neu über das Subventionssystem nachzudenken.

Radikale Subventionskürzungen würden «die totale Vernichtung dieser Kulturlandschaft zur Folge haben, die das Gedächtnis der Hansestadt bewahrt», sagt Helmut Sander von der Stiftung Historische Museen in Hamburg.

«Populistische Diskussion»

Das sieht auch der Leiter der Museen der Stadt Nürnberg, Matthias Henkel, so: Eine Halbierung der Kultureinrichtungen würde zu einer «Erosion des kulturellen Gedächtnisses einer Nation» führen. Der Direktor des Bochumer Kunstmuseums Günter Golinski meinte: «Das passt voll in die populistische Diskussion, in der ewig gestrige Argumente aufbereitet werden.»

Würzburgs Kulturreferent Muchtar Al Ghusain dagegen wertet die Thesen mehr als Impuls, man müsse sich schliesslich vor «Verkrustungen» schützen. Schleswig-Holsteins Kulturminister Ekkehard Klug findet auch, es sei nie falsch, über neue Strukturen nachzudenken.

«Schwachsinn», «gefährlich»

Der Generalintendant des Theaters Krefeld-Mönchengladbach, Michael Grosse, lehnt den Vorschlag radikal ab: «Das ist völliger Schwachsinn.» Die Autoren würden auf populistische Weise ein Marktdenken etablieren wollen - ohne den Bildungsaspekt zu berücksichtigen.

Auch vom Konstanzer Theaterintendanten Christoph Nix hagelt es Kritik: «Die Autoren von 'Kulturinfarkt' haben jahrelang wie die Maden im Speck als selbsternannte Kulturmanager von den Einrichtungen gelebt, die sie jetzt abschaffen wollen.»

«Solch eine Einspardebatte ist gefährlich und weckt Begehrlichkeiten beispielsweise bei den Gemeinden», meint Erfurts Theaterintendant Guy Montavon.

«Fahrlässig» und «geistig schlicht»

Der designierte Intendant des Theaters Regensburg, Jens Neundorff von Enzberg, versteht die Thesen als gezielte Provokation, die zur Diskussion anregen soll: «Wenn dies gelingt und dadurch das Bewusstsein neu geschärft und regenerative Prozesse angeregt werden, hat das Buch seinen Zweck erfüllt. Alles andere halte ich für fahrlässig und dumm.»

«Man sollte annehmen, dass diese vier Autoren es eigentlich nicht nötig haben, mit provozierenden populistischen Thesen ihr Einkommen aufzubessern», sagte der Intendant des Deutschen Schauspielhauses Hamburg, Jack Kurfess und rät dazu, das Ganze zu ignorieren.

Es müsse sich zwar etwas ändern, gab der Lübecker Theaterdirektor Christian Schwandt zu bedenken, aber der Vorschlag sei einfach populistisch. Erfurts Theaterintendantin Katja Ott sieht in den Ideen eine «geistige Schlichtheit, dass es einem die Sprache verschlägt».

SDA

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