«Durchsagen haben mich immer fasziniert»

Nach 35 Jahren: Zum Abschied macht der Belper SRF-Musikwelle-Moderator Jörg Stoller am Flughafen Zürich offizielle Lautsprecherdurchsagen.

Sagt Adieu: Jörg Stoller (65).

Sagt Adieu: Jörg Stoller (65).

(Bild: Oscar Alessio)

Sie arbeiten seit 35 Jahren beim Radio, Herr Stoller. War früher alles besser?Jörg Stoller: Besser nicht, aber anders. Technisch hat sich fast alles verändert. Wir spielen heute jeden Musiktitel ab Computersystem. Als ich in den 1980er-Jahren anfing, legten wir Vinylplatten auf! Für den «Nachtclub», der früher von Mitternacht bis 6 Uhr morgens lief, schleppten wir jeweils sechs Plattenkisten ins Studio. Wenn wir die sechste geöffnet hatten, wussten wir: Der Feierabend ist nah.

Klingt romantisch. Es geht. Ich bin zum Beispiel froh, dass ich heute die Zeit, die früher fürs Schneiden der Tonbänder von Hand draufging, für Sinn­volleres nutzen kann. Und auch sonst hat die Technik vieles vereinfacht. Nur die LP-Covers, die fehlen mir. Da war ein grosser, schöner Sonnenuntergang drauf oder die Skyline von New York. Als dann die CD die LP verdrängte, wurden die Sonnenuntergänge und Skylines kleiner. Und heute steht vielleicht im Infotext zu einem Titel im Computersystem noch, dass auf dem Originalcover ein Sonnenuntergang oder eine Skyline zu sehen ist.

Jetzt steht Ihr letzter Arbeitstag an. Und Sie werden ihn damit verbringen, Lautsprecherdurchsagen am Flughafen zu machen. Genau. Vor meiner Zeit beim Radio flog ich zehn Jahre mit der Swissair als Steward in der Welt herum. Die offiziellen Lautsprecherdurchsagen an Flughäfen ­haben mich schon damals fasziniert, ich wollte immer mal hinter diesen Mikrofonen sitzen. Jetzt wird das Tatsache. Ich mache am Mittwoch die Durchsagen am Flughafen Zürich, und mein Sender, die SRF Musikwelle, schaltet sich regelmässig ein. So können die Hörer dabei sein, wenn ich mir diesen Herzenswunsch erfülle. Vorletzten Montag war ich bereits vor Ort und ­habe für den grossen Tag geübt.

Und? Ich durfte in einem Kabäuschen mitten im Operation Center sitzen und in einem netten Team mitarbeiten. Es war spannend, aber auch komplizierter, als ich dachte. Ich wusste zum Beispiel vorher nicht, dass die allermeisten Durchsagen zuerst aufgenommen und auf dem Computer gespeichert werden. Dann wählt man aus, in welchem Terminal welche Durchsagen abgespielt werden müssen, und erst dann spielt man sie ab. Und dann diese komplizierten Namen, die man ausrufen muss...

Welcher hat Ihnen am meisten Mühe gemacht? Es ging um einen Flug nach Bukarest, ein rumänischer Name. Das weiss ich noch. Wie er lautete, habe ich verdrängt.

Sind Sie vor diesem speziellen letzten Auftritt nervöser als sonst? Nein, eigentlich nicht. Ich bin ja gut vorbereitet und habe fleissig geübt. Ausserdem habe ich einen sogenannten Voice-Spezialisten an meiner Seite, der mir sagt, wie man gewisse Namen ausspricht.

Und was haben Sie nach der Pensionierung vor? Relativ viel. Ich bin seit einiger Zeit Co-Chefredaktor der Zeitung «Oldies News», ein Blatt für ehemalige Swissair-Mitarbeiter. Diese Aufgabe erledige ich weiterhin mit grosser Freude. Dann kamen bereits ein paar Anfragen rein: Ich könnte zum Beispiel Musikflussfahrten auf dem Rhein oder der Mosel moderieren. Und schliesslich will ich reisen. Viel reisen.

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