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Die Waffen echter Männer

Die junge SVP Genf wirbt mit nackter Haut gegen die Waffeninitiative. Als Antwort darauf stellen die Berner Jungsozialisten nun ein eigenes Plakat vor. Die Frage ist: Was wollen sie uns damit sagen?

Das von den Berner Jungsozialisten lancierte Plakat: Argumente statt nackter Haut.
Das von den Berner Jungsozialisten lancierte Plakat: Argumente statt nackter Haut.

Wir haben uns noch kaum vom Anblick des nackten Herrn Schwitzguébel erholt, da lancieren die Berner Jungsozialisten als Antwort ihr eigenes Plakat, um für ein Ja zur Waffeninitiative zu werben. Darauf posiert ein attraktiver junger Mann mit angedeutetem Lächeln, Kurzhaarschnitt, die Hand verdächtig nah am Schritt. Echte Männer, wir verstehen. Auffälligstes Merkmal aber ist: der Mann ist angezogen. Zugeknöpft möchte man sogar sagen. Prangte da auf seinen Wangen nicht ein legerer Dreitagebart, man könnte den properen Burschen für einen Vertreter der Jungfreisinnigen halten.

Die Jungsozialisten sind ja sonst nie um eine Provokation verlegen, aber angesichts der nackig vorpreschenden SVP scheint nur noch die Flucht in den visuellen Konservatismus zu bleiben. Alles im Dienst der Sache natürlich. Die Überschrift des Plakats lautet: «Echte Männer haben andere Waffen.» Oha, denkt man, also auch die SP hat Waffen, aber welche? Der Pressetext klärt auf: «Sex sells, Hüllen fallen lassen, Fleisch zeigen, doch die 200 bis 300 Menschen, die jährlich durch eine Armeewaffe sterben, haben es nicht verdient, dass so billig über dieses Anliegen debattiert wird.» Man kämpfe lieber angezogen, dafür mit Argumenten.

Kalkulierte Verwirrung

Ganz recht. Mit heruntergelassenen Hosen kämpft es sich nun mal nicht so gut. Und wo Männer sich ihrer Kleider entledigen, um für ihre Sache einzustehen, wird am Ende ohnehin nur darüber diskutiert, ob ihr Sixpack echt ist oder nachträglich mit Photoshop nachgebessert werden musste. Klug, dass die Jungsozialisten sich da aus dem Schussfeld nehmen. Irritierend hingegen ist, dass sie gar keine Angriffsfläche bieten – nach Argumenten sucht man auf dem Plakat nämlich vergeblich. Abgesehen vom Geraune um «echte Männer» mit «anderen Waffen» ist da nichts. Stellt sich also die Frage: Welche Waffen könnten da gemeint sein? Schöne Kleider? Die dicke Uhr, die am Handgelenk des Freisinnigen-Lookalikes prangt, der Ring und die elegante Gürtelschnalle? Soll damit Wohlstand signalisiert werden? Und sind das sonst nicht eher Insignien der Bürgerlichen, müsste ein solch traditionelles Männerbild nicht eher der SVP zugerechnet werden?

Wir sind verwirrt, aber vielleicht war das ja genau die Absicht. Denn wie schon der chinesische Meister Sun in seinem Büchlein «Die Kunst der Kriegsführung» bemerkte: «Scheinbares Durcheinander ist das Produkt guter Planung, scheinbare Schwäche ein Zeichen von Stärke.» Und: «Ein Meister der Kriegsführung ist immer durchtrieben und geheimnisvoll, er hinterlässt keine Spur.» Die Argumente der Jusos mögen so subtil sein, dass man sie gar nicht bemerkt – aber immerhin haben sie es ihrem Feind gezeigt.

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