Die Früchte des Poetry-Slam

Der Verein Spoken Word Biel erhält den kantonalen Kulturpreis. Tina Messer (34) und Valerio Moser (30) wollen mit dem Geld neue Projekte lancieren.

Tina Messer und Valerio Moser bringen die Slam-Poesie in ländliche Gebiete.

Tina Messer und Valerio Moser bringen die Slam-Poesie in ländliche Gebiete.

(Bild: PD / Lukas Hofstetter)

Mirjam Comtesse

Frau Messer, Herr Moser, es gibt viele Poetry-Slam- Plattformen in der Schweiz. Was macht Spoken Word Biel speziell?
Valerio Moser: Wir inszenieren uns nicht einfach selbst, sondern bieten eine Bühne für andere. Bei der Dichterschlacht etwa laden wir Slam-Poetinnen und -Poeten ein, die den Inhalt liefern, wir organisieren im Hintergrund. Besonders sind auch unsere Workshops Slam@School. Wir wollen schon Schülerinnen und Schülern auf Sekundarstufe zeigen, wie viel Spass kreatives Schreiben macht und wie es ist, auf der Bühne zu stehen.

Tina Messer: Mittlerweile machen jedes Jahr rund 500 Schülerinnen und Schüler mit. Sie lernen, vor anderen zu sprechen, sich in ihren eigenen Worten auszudrücken. Das ist eine Schlüsselkompetenz, die im regulären Schulbetrieb kaum gefördert wird.

Ist Poetry-Slam bei Schülerinnen und Schülern denn überhaupt angesagt?
Moser: In der Oberstufe kennen viele das Slammen noch nicht. Sie hören aber Rap in ihrer Freizeit. Rap nutzt ähnliche Stil­mittel – da setzen wir an. Wir bringen unsere Workshops bewusst oft in ländliche Gebiete, wo Poetry-Slam den wenigsten ein Begriff ist. Es ist spannend, welche Themen sich dort ergeben: Im Oberland geht es oft um Skifahren, an einem Ort wie Langnau eher um Eishockey, und ganz auf dem Land hat mal ein Schüler euphorisiert über das Bschütten geslamt. Das zeigt: Schreiben ist nicht nur Hochkultur, sondern auch das Spiel mit alltäglichen Erfahrungen.

«Schreiben ist nicht nur Hochkultur.»Valerio Moser Verein Spoken Word Biel

Was bedeutet Ihnen der kantonale Kulturpreis, der am Mittwoch überreicht wird?
Messer: Das ist eine grosse Wertschätzung für die Aufbauarbeit, die wir im Kanton Bern geleistet haben. Als wir vor dreizehn Jahren die ersten Dichterschlacht-Events organisierten, konzen­trierten wir uns vor allem auf Veranstaltungen in Biel und Umgebung. Heute arbeiten wir mit Leuten im ganzen Kanton zusammen und organisieren unsere Slam@School-Workshops an unterschiedlichsten Schulen.

Valerio Moser: Wir machen vorwiegend Projekte, die wir sinnvoll finden und die uns Spass machen. Der Preis zeigt, dass wir mit unserer Leidenschaft auch andere Leute begeistern.

Was werden Sie mit den 30'000 Franken Preisgeld machen?
Messer: Wir gehen zuerst mal in die Ferien mit dem Geld! (lacht) Nein, natürlich nicht. Wir haben noch keine konkreten Pläne. Aber wir werden das Geld sicher für weitere Projekte einsetzen.

Moser: Das Geld ist für uns eine Art Risikogarantie. Wir haben damit die Freiheit, auch mal ein Projekt anzureissen, das nicht für die breite Masse gedacht ist, sondern ein kleines Publikum anspricht.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Messer: Dass wir stets Energie haben für neue Projekte. Im Moment bauen wir zum Beispiel den Youtube-Kanal «Slam CHannel» auf, der die Poetry-Slam-Szene der Schweiz archivieren soll. Wir verfügen bereits über viel Videomaterial aus den letzten Jahren und möchten in Zukunft aktiver Slam-Auftritte hierzulande dokumentieren.

Preisverleihung: 30.10., 19.30 Uhr, Farelhaus, Oberer Quai 12, Biel.

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