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Der Wortspieler

René Goscinny, der Schöpfer von Asterix, hat eine Statue bekommen. Der Anlass ist nichtig, die Hymne zwingend.

Der Autor mit seinen Figuren. Das Denkmal René Goscinnys in der Rue de Boulainvilliers, Paris. Foto: Stephane de Sakutin (AFP)
Der Autor mit seinen Figuren. Das Denkmal René Goscinnys in der Rue de Boulainvilliers, Paris. Foto: Stephane de Sakutin (AFP)

Endlich vollziehen die Franzosen, sonst grosszügig mit dem Feiern der ihrigen, das Offensichtliche. Im 16. Bezirk von Paris, vor seiner ehemaligen Wohnung an der Rue de Boulainvilliers 56, zeigt die Stadt eine Statue René Goscinnys, des Texters von Asterix, Lucky Luke, Le petit Nicolas und vielen anderen. Ihn bloss als Schreiber französischer Comics zu bezeichnen, klingt ungefähr so, als würde man Gérard Depardieu zum Weinverkäufer reduzieren. Wie «Le Monde» notierte: «Goscinny ist für die Bande dessinée, was der Eiffelturm für Paris bedeutet und Balzac für den Roman.»

Obwohl der Autor mit vielen Figuren Erfolg hatte, bleibt Asterix seine bekannteste. Goscinny entwickelte sie an einem Augusttag 1959 zusammen mit dem Zeichner Albert Uderzo «in einem zweistündigen Gelächter», wie er sich erinnerte. Es wurde viel geraucht und getrunken.

Über 300 Millionen verkaufte Bücher

Uderzo stellte sich die Hauptfigur als arischen Hünen vor, aber Goscinny wollte das nicht. Der Enkel eines polnischen Rabbiners hatte viele Verwandte im Holocaust verloren. Zugleich machte er sich mit dem Sternchen über die Stars lustig, die er während seiner Zeit in New York kennen gelernt hatte, Superman, Batman und all die anderen Comic-Männer mit Muskeln und ohne Humor.

So setzte sich Goscinny mit Asterix durch, dafür malte Uderzo ihm einen dicken, einfachen Freund zur Seite, den Menhir-Lieferanten Obelix. Dann begannen die Autoren, beides Immigrantensöhne, mit der Ironisierung von Frankreich.

Die Abenteuer der unbeugsamen Gallier, die mithilfe eines Zaubertranks die Römer demolieren, um sich am Schluss zum Wildschweinessen zu versammeln, gerieten erst zum Erfolg, dann zum Triumph und schliesslich zur Sensation. Bis heute wurden 300 Millionen Bände verkauft, die Epen wurden in 111 Sprachen übersetzt, inklusive Latein und Esperanto. Nur die Amerikaner mochten den klein gewachsenen Held nicht; er sah ihnen zu wenig heroisch aus.

Er zeichnete auch ein Bild seiner Landsleute

René Goscinny starb am 5. November 1977 auf dem Hometrainer seines Kardiologen; er war 51 Jahre alt. «Ich will etwas Lustiges machen», hatte er seinem Vater angegeben. Ein lustigerer Abgang wäre nicht einmal ihm eingefallen.

Albert Uderzo machte neun Bände lang weiter, aber Asterix ohne Goscinny, das war wie Depardieu ohne Wein. Kein Comic-Texter spielte so virtuos mit der Sprache. Mitleidlos persiflierte er die Mythen der französischen Republik, von der Sehnsucht nach napoleonischer Grösse bis zur Nachstilisierung der Résistance. Er kommentierte die Mentalität seiner Landsleute, ihre Politik, ihre Bürokratie und ihren Chauvinismus («Ich habe nichts gegen Ausländer, aber die da sind nicht von hier.»). Er zündete ein Feuerwerk von Anspielungen, Parodien und Wortspielen, kombinierte Bildungsbrocken, Sprichwörter, Zitate aus Filmen, Romanen und Chansons mit lateinischen Redensarten.

Ein paar Römer haben sich mit Laub getarnt, glauben aber nicht so an die Wirkung. «Je tremble comme un feuille», sagt einer, «moi aussi, vieille branche», ergänzt der hinter ihm. Ein dritter fragt sich, ob sie aus dem Holz geschnitzt seien, aus dem man Helden mache. «Assez de jeux de mots pénibles», ärgert sich der letzte. Nicht einmal den Kommentar mochte der Texter dem Leser überlassen.

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