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Der Mörgeli-Imitator ist auch Musik-Vermittler

Fabian Unteregger kennt man aus «Giacobbo/Müller» als Mörgeli-Imitator. Daneben studiert er aber auch Medizin und will jungen Menschen klassische Musik vermitteln.

Viele Talente: Unteregger studiert Medizin und interessiert sich für Musik.
Viele Talente: Unteregger studiert Medizin und interessiert sich für Musik.
Doris Fanconi
Seine bekannteste Figur: Unteregger als Nationalrat Christoph Mörgeli in der Satiresendung «Giacobbo/Müller».
Seine bekannteste Figur: Unteregger als Nationalrat Christoph Mörgeli in der Satiresendung «Giacobbo/Müller».
SF
Fabian Unteregger 2007 an einer Gala-Veranstaltung anlässlich des Welttiertags in Zürich. Im Hintergrund: Moderatorin Andrea Jansen.
Fabian Unteregger 2007 an einer Gala-Veranstaltung anlässlich des Welttiertags in Zürich. Im Hintergrund: Moderatorin Andrea Jansen.
Keystone
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Es war einmal, mitten in Amerika, da sag­ten Vater und Mutter Unteregger zum knapp zehnjährigen Fabian: «So, jetzt such uns mal eine Unterkunft.» Es kam bei die­sem Erziehungsexperiment zwar keine wirkliche Hotelbuchung zustande, aber sie war eine Schlüsselszene für die Karriere des Fabian Unteregger, denn sie verlangte Improvisationstalent, Selbstbewusstsein, Sprachvermögen. Von den Eltern, einer Soziologin und einem Volkswirtschaftler, lernte er auch am Mittagstisch viel: «Da hiess es nie ‹So ein feines Süppli! Und erst der Broccoli!›, sondern ‹Hast du schon ge­hört? Es gibt wieder eine Zinserhöhung bei soundso.›» Heute ist der «Bub», der erst in Bottmingen BL und dann in Zürich-Alt­stetten aufwuchs, 31 Jahre alt, obwohl er aussieht wie 25, und eine Berühmtheit. Weil er regelmässig Zeitgenossen wie Christoph Mörgeli oder Köbi Kuhn in «Giacobbo/Müller» imitiert.

Aber jetzt ist nicht Late Night am Schweizer Fernsehen, sondern Morgen um 9.30 Uhr in der Klavier- und Flügelabtei­lung von Musik Hug am Limmatquai. Fa­bian Unteregger, ein Mann mit einer unge­mein lauten Stimme, sitzt da, weil er bald an einer grossen Veranstaltung in Winterthur junge Menschen davon überzeugen soll, dass klassische Musik gar nicht so «furz­trocken und steif» wie ihr Image sei. «Simple Brückenschläge zum Alltag» sind in diesem Vermittlungsprogramm mit jun­gen Solisten und dem Musikkollegium Winterthur sein Rezept, zum Beispiel, wie viele «Sätze» eine Sinfonie im Gegensatz zu einem Gespräch brauche oder was eine «Suite» in der Musik zu suchen habe.

Als Moderator – er ist nicht allein, son­dern arbeitet mit einem ebenfalls lustigen Freund, den er in einer Velowerkstatt ken­nen gelernt hat – steht er dabei unter einer «Performance-Erwartung». Wenn sich da etwa spontan «ein Herr Leuenberger an­bieten sollte, lass ich den auftreten», sagt er, «ich bin ja im Dienst des Publikums. Ei­gentlich bin ich ein Publikumssoldat. A soldier of the audience, indeed.» Untereg­ger bezeichnet sich persönlich als «völli­gen Klassikdeppen», spielt aber selbst Kla­vier, allerdings Pop und Jazz, und immer am Sonntag hört er DRS 2 zum Frühstück: «Das gibt eine ganz andere Qualität von Kulinarik. Das entspannt. Und da lese ich auch einen Zeitungsartikel ganz anders, als wenn AC/DC läuft.» In seinem vorkomödiantischen Leben war er Lebensmittelingenieur und opti­mierte beispielsweise in Bayern Hochleis­tungs- Schaumschlägergeräte oder «High­Performance-Whipper» für Nestlé. Des­halb fällt ihm heute auch Bayerisch als Bühnensprache besonders leicht. Soeben hat er ein weiteres Studium angefangen, Humanmedizin, das sei gar nicht so weit von der Comedy entfernt, meint er, schliesslich müsse er in beiden Disziplinen Leute beobachten und Diagnosen stellen, und klar, so ein Medizinstudium mache man nicht einfach so zum Spass, Arzt zu werden, könne er sich gut vorstellen, auch, weil er dann mit Lachgas arbeiten könne.

Hat Unteregger eigentlich Groupies?

Wobei Letzteres nicht ernst gemeint ist, aber Unteregger kann einfach nicht an­ders, als alle paar Minuten in einen kleinen Comedy-Schlenker auszubrechen. Plötz­lich ist er Barack Obama – den brauchte er bei einem Sommergastspiel in Berlin, als mehrere Amerikaner im Publikum sassen –, daraus wird Moritz Leuenberger wird Köbi Kuhn wird Roger Köppel wird Ott­mar Hitzfeld wird Franz Beckenbauer, die Gesichter, Sprachen und Dialekte purzeln nur so durcheinander, das hört gar nicht mehr auf. Ein High-Performance-Imitator, der seine Figuren in mühseliger Knochen­arbeit studiert und analysiert hat, der jedes Heben ihrer Augenbrauen, Zucken der Nasenwurzel und der Mundwinkel, jede Färbung ihrer Stimmen kennt und kann. Als Unteregger zu «Giacobbo/Müller» kam, hatte er schon über 100 Auftritte hin­ter sich, im Theatersport in der Improvisa­tions- Comedy, meist im Team. Seine erste Solonummer bastelte er im September 06 und imitierte Prominente, die bekannte Lieder mit neuem Text sangen, etwa Jean Ziegler, der Manu Chao interpretierte. Dann tüftelte er ein eigenes Programm aus, über Leuenberger, der sich beim Arzt gegen einen Schreibstau behandeln lässt. Dann machte er einen stimmlichen Ein­spieler für eine Radio-Satiresendung – und dann rief das Fernsehen an.

Am Morgen sitzt er im Hörsaal, abends steht er auf der Bühne. Hat einer wie er an der Uni eigentlich Groupies? «Nein», sagt er, «das wäre natürlich paradiesisch, aber ich bin da ziemlich low profile unterwegs, schleiche mich immer so versteckt in den Hörsaal. Obwohl sich Mediziner tenden­ziell schon mehr für ihre Mitmenschen in­teressieren als andere Studentengruppen, Wirtschaftler zum Beispiel. Bei uns ist das ein grosser Pool an Leuten, die in ihrer Freizeit entweder Taxi fahren, in einer Band oder in einem Orchester spielen oder Spitzensport betreiben.» Oder eben der Lustige vom Dienst sind. Stört ihn das je? Nein. Nie. Und wird er nicht irr, wenn er sich zu lange mit Figuren wie Christoph Mörgeli beschäftigt? Nein, und immer wenn er ihnen im Fernsehen begegnet, freut er sich.

Der peinlichste Moment in seinem Ko­mikerleben war übrigens, als er an einem Firmenanlass im Baselbiet auftreten musste, munter seine Mundartnummern abspulte und nicht wusste, dass 90 Pro­zent der Anwesenden aus Deutschland oder Frankreich kamen. Mitten im Pro­gramm trat der Firmenchef auf die Bühne und brach die Übung mit den Worten «So, jetzt gehen wir zum Dessert über» ab. Heute würde ihm dies nicht mehr passie­ren. Aber heute ist eh alles anders. Heute wäre Fabian Unteregger das Dessert.

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