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Brauche ich ein Markenzeichen?

Mode soll nie anstrengend sein. Und vor allem soll man nie danach aussehen.

Die Suche nach Originalität bringt mitunter seltsame Resultate hervor.
Die Suche nach Originalität bringt mitunter seltsame Resultate hervor.
Winfried Rothermel, AP

Ich lese regelmässig Ihre Kolumne. Oft habe ich mich lustig gemacht über die geschilderten Probleme und Problemchen der Leserschaft. In letzter Zeit habe ich mich allerdings gefragt, ob ich mir nicht mehr Mühe geben sollte mit meiner Garderobe. Ob ich mich nicht zu gedankenlos anziehe. Und ob ich mir ein Markenzeichen zulegen sollte. Damit ich einen eigenen, unverkenn­baren Stil habe. Was meinen Sie? C. A. aus B.

Lieber Herr A., Ich sage es geradeheraus: um Himmels willen, nein! Wenn Sie sich nichts aus Kleidern machen, wenn Sie also morgens einfach eine saubere Hose und ein ebensolches Hemd anziehen und sich darin wohlfühlen und keinen weiteren Gedanken daran verschwenden, dann ist das doch in Ordnung. Weshalb sollten Sie Ihr Leben unnötig verkomplizieren? Es ist doch alles schon anstrengend ­genug. Und genau das ist der Punkt: Mode soll nie anstrengend sein. Und vor allem soll man nie danach aussehen.

Sehen Sie, es herrscht bezüglich der Mode ein grosser Irrtum. Dahingehend, dass die Menschen, die sich damit beschäftigten oder etwas davon verstünden, besonders viel Zeit in ihr Erscheinungsbild investieren würden. Dem ist eben gerade nicht so. Über den Daumen gepeilt kann man sogar sagen: Je versierter jemand modisch ist, desto weniger sieht man es ihr oder ihm an. Die Pro­tagonisten der Branche zelebrieren das Understatement geradezu. Nichts ist in der Welt der Mode so verpönt, wie modisch auszusehen. Das ist natürlich einigermassen kurios, denn jene, die nicht nach Mode aussehen wollen, verdienen ihr Geld ausgerechnet mit jenen, die unbedingt nach Mode aussehen wollen. Aber wir wollen an dieser Stelle nicht auf das Phänomen der menschlichen Widersprüchlichkeit eingehen.

Lieber Herr A., sehen Sie also davon ab, sich ein Markenzeichen zuzulegen. Es entlarvt Sie als Möchtegern. Und als ahnungslos. Das demonstrative Tragen von geringelten Socken, Fliegen oder «Poschettli» wirkt schrecklich bemüht. Wer derart laut «Ich bin originell und total speziell» schreit, wenn auch nonverbal, versteht sich, ist es eben gerade nicht. Statements sind durchaus erwünscht, aber die sollten in erster Linie inhaltlicher Natur sein.

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