Berndeutsch für Fortgeschrittene: Anke

Unsere Autorin Mirjam Comtesse lernt Berndeutsch und wird dabei von Bernerinnen und Bernern kritisch beäugt.

Unsere Autorin Mirjam Comtesse erzählt jede Woche von den Schwierig­keiten, als Ostschweizerin Berndeutsch zu lernen.

Unsere Autorin Mirjam Comtesse erzählt jede Woche von den Schwierig­keiten, als Ostschweizerin Berndeutsch zu lernen.

(Bild: Christian Pfander)

Mirjam Comtesse

Im Berndeutschen gibt es ein paar wunderbar treffende und gleichzeitig äusserst charmante Wörter. An der Spitze meiner Hitliste steht «Tüpfi». Man kann eine Frau kaum liebevoller als etwas affektiert bezeichnen. Auch der Begriff «Gspusi» ist im Grunde eine elegante Art, jemanden zu beleidigen. Und wenn jemand einen «müpft», kann man ihm kaum böse sein. Dafür klingt das Wort viel zu harmlos.

Aber dass die Bernerinnen und Berner einem den Reiz ihres Dialekts immer so unter die Nase reiben müssen! Und wenn man versucht, sich anzupassen und sich beispielsweise am Ausdruck «E schöne Hinecht» abmüht, dann macht einen sicher jemand darauf aufmerksam, dass man das «E» eigentlich offener aussprechen müsste. «Hey, Modi und Giele», möchte man da sagen, «macht euch mal locker, niemand will euren Dialekt verhunzen, sondern hier übt jemand Berndeutsch.»

Aber es sind ja nicht nur die Nichtberner, die kritisch beäugt werden. Auch die Einheimischen, so habe ich festgestellt, korrigieren einander. Wenn ein Jugendlicher beispielsweise nach der Butter fragt, wird er augenblicklich ­belehrt, dass das «Anke» heisse. Oder wehe, jemand redet von «zwöi Manne». Das sind natürlich «zwe Manne». Liebe Oberlehrer, entspannt euch, dachte ich bisher stets. Bis meine Tochter vorgestern zu mir sagte, in den Chindsch seien zwei Männer vom Spielbetrieb gekommen, «zwöi Manne». Ich war empört: Bringen denn die Lehrer den Kindern heute nicht mehr richtiges Berndeutsch bei?!

Berner Zeitung

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