Bei Simon wird es leise lustig

Christoph Simon ist freier Schriftsteller, wurde im letzten Jahr Poetry-Slam-Schweizer-Meister und tritt aktuell als Kabarettist auf. Am vergangenen Freitag in der Kulturgarage in Interlaken.

Christoph Simon auf der Bühne der Kulturgarage: Er überzeugte das Publikum mit wohlformulierten Sätzen und trockenem Humor.

Christoph Simon auf der Bühne der Kulturgarage: Er überzeugte das Publikum mit wohlformulierten Sätzen und trockenem Humor.

(Bild: Ueli Flück)

Die ehemalige Autogarage Hilber an der Interlakner Harderstrasse ist zur Kulturgarage geworden. In ihr wird kreiert, gemalt, gesprayt, geschraubt und genagelt. Normalerweise. An diesem vergangenen Freitagabend aber werden die Kunstwerke, fertige und angefangene, an die Wände gestellt, auf Yetis SBB-Paletten-Bühne steht ein Palettensofa und wartet – während wegen des unerwartet grossen Publikumsaufmarsches immer mehr Stühle hereingetragen werden – auf Christoph Simon, den zum Kabarettisten gewordenen Schriftsteller. «Wahre Freunde» heisst sein erstes Soloprogramm.

Christoph Simon heisst eigentlich Christoph Egli. Als Künstler-Nachnamen hat er den Vornamen seines Vaters (der Direktor der Kantonalbank Interlaken war) übernommen. Geboren wurde Christoph 1972 in Langnau, aufgewachsen ist er in Unterseen, wo er – wie er zu sagen pflegt – alle Volks-, Musik- und Skischulen überlebte und ins Gymnasium Thun eintrat.

Dieses unterbrach er ein Jahr, besuchte die Jazz-School Bern, wollte Gitarrist werden, spielte auf der Strasse und gründete Bands. Aber zum Jazzmusiker fehlte das Talent. Und so studierte er in Basel vier Semester Wirtschaft und Psychologie. Dann reiste er in der Welt herum und landete in Bern, im Breitenrainquartier (dem «Breitsch»), und Christoph Simon wurde Schriftsteller.

Vor neun Jahren trat Christoph Simon erstmals in seiner alten Heimat auf. Im Stadtkeller Unterseen las er aus «Planet Obrist», seinem bereits dritten Roman. Inzwischen sind weitere Romane erschienen. «Spaziergänger Zbinden» wurde in Grossbritannien, den USA und dem Iran veröffentlicht. Simon war auf Lesereise in Mexiko, Schottland und England, den USA, in der Ukraine und in Moskau, und er heimste für sein Schaffen Preise ein. 2014 wurde er überraschend Schweizer Meister im Poetry-Slam, der Wortsportart, bei der es darum geht, mit kurzen Textvorträgen das Publikum für sich zu gewinnen.

Nun hat Christoph Simon erneut das Format gewechselt. In feines Gewand gekleidet, mit weissem Hemd und Krawatte tritt er in der Kulturgarage als Kabarettist mit dem Programm «Wahre Freunde» auf. Den Mundarttext hat er nun im Kopf und nicht auf Papier. Er erzählt keine Schenkelklopferwitze. Kalauer und auf Pointen getrimmte Sätze sind nicht sein Ding. Bei Christoph Simon wird es leise lustig.

Er erzählt Geschichten. Er erzählt von Max und Sonja und Natascha. Von Freunden eben. Aber was tut man, wenn die Freundin des besten Freundes besser zu einem selber passen würde? Wie verhindert man mit Stil, von Freunden angepumpt zu werden? Wie kommt man in kurzer Zeit zu viel Geld? Christoph Simon beschreibt die sanfteste Entführung, die man sich denken kann, samt Lösegeldübergabe bei der Robert-Walser-Gesamtausgabe in der Kornhausbibliothek.

Bei Christoph Simon gehen Alltagsbanalitäten und philosophische Gedanken Hand in Hand. Und er geht sorgfältig mit dem Klang und dem Rhythmus der Sprache um. – Das Publikum in der Kulturgarage hat geschmunzelt und gelacht und nach eineinhalb Stunden Beifall klatschend Zugaben gefordert. Und erhalten.

Berner Oberländer

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