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André Müller ist tot

Interviews gehören zum journalistischen Alltag, jede Zeitung ist voll davon. Bei André Müller wurden sie zur Kunstform. Nun ist der grosse Frager an Krebs gestorben.

So wie er fragte niemand, und deshalb bekam er auch Antworten wie kein anderer. Das Gespräch mit dem Burgtheaterintendanten Claus Peymann zum Beispiel, 1988, geriet fast zur Staatsaffäre. Alle waren beleidigt – die, die er beleidigt hatte, aber auch die, die gar nicht vorkamen, vor allem aber ganz Österreich («dieses Land ist ein Irrenhaus»).

André Müller war berühmt dafür, dass seine Gesprächspartner Dinge sagten, die sie nicht sagen wollten – ja von denen sie nicht einmal wussten, dass sie sie dachten. Einige – Erika Pluhar zum Beispiel – versuchten im Nachhinein alles, um einen Abdruck zu verhindern, andere waren stolz auf den gedruckten Text. Mit Recht: André-Müller-Interviews hatten die Dynamik und die Qualität von Dramen (tatsächlich hat er einige auf der Bühne vorgelesen, andere wurden zu echten Theaterstücken). Das lag daran, dass Müller wirklich etwas wissen wollte und nicht bloss Fragen abspulte, und dass er den Befragten auf gleicher Höhe entgegentrat. Typischer Dialog, mit Peymann: «Was wollen Sie eigentlich aus mir herausbekommen?» – «Ich will Sie zum Denken bringen.» Oder dieser, nach vier Stunden mit Alice Schwarzer: «Sie sind unerträglich!» – «Sie sind bloss nicht mehr arbeitswillig.»

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