Und alle warteten auf Ogi

Witzig, wortgewandt und wortgewaltig: Der Auftritt von Alt-Bundesrat Adolf Ogi war das unbestrittene Highlight der 3. Ausgabe der «Too Late Show» im Progr. Hätte man den Stargast nur bis zum Ende der Show aufgespart.

Adolf Ogi stand Moderator Dominik  Gysin in der neuen Berner Late Night Show im Progr am Freitagabend Red und Antwort.

Adolf Ogi stand Moderator Dominik Gysin in der neuen Berner Late Night Show im Progr am Freitagabend Red und Antwort. Bild: Iris Andermatt

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«Wir sind hier nicht in Konolfingen, sondern in Bern», heizte Animator John den Zuschauern beim Applaus-Warm-up der «Too Late Show» im Progr ein und wünschte sich «kein so provinzielles Publikum wie bei den letzten Shows».

Den Einstieg meisterte Talkmaster Dominik Gysin indes so selbstbewusst und souverän, dass der Applaus ohnehin keineswegs provinziell ausgefallen wäre. Gysin scheint sich in seiner Rolle als Host von Mal zu Mal wohler zu fühlen und holte das Publikum von der ersten Sekunde an ab. Obs daran lag, dass sich diesmal die drei Sidekicks weniger einbrachten?

Fakt ist, dass die reduzierten Einlagen von Matto Kämpf, verkleidet als Tannenbaum, witziger waren und mehr Raum für Raphael Urweider schafften, der mit seinen trockenen Sprüchen zeitweise sogar Gysin den Rang ablief. Einziger Wermutstropfen war, dass Gisela Feuz nur noch spärlich zum Einsatz kam.

Hühnerdreck auf der Bühne

Mit dem ersten Gast jedoch sank die Show auf ein eher provinzielles Niveau ab. Heini Gugelmann vom Zirkus Maus brachte eine ganze Reihe von Kleintieren mit auf die Bühne. Sehr zum Missfallen der Musiker der Showband «The Retards», die mit Hühnerdreck auf ihren Instrumenten zu kämpfen hatten. Der Auftritt des älteren Herrn zog sich in die Länge.

Mit Gysins Rapeinlage zu Jay Z’s «99 Problems» gewann die Show wieder an Fahrt. Und endlich war es so weit: Der lang ersehnte Talkgast Adolf Ogi wurde mit der Schweizer Nationalhymne und einer grandiosen Rede, geschrieben und gehalten von Urweider, gebührend empfangen. Und als Ogi selber das Wort hatte, war er nicht mehr zu bremsen. Der sympathische Alt-Bundesrat erntete mit den Episoden zu seinem «Aufstieg von Kandersteg bis zur UNO», wie Gysin es nannte, einen Lacher nach dem andern.

Während seiner Geschichten von einem NZZ-Journalisten, der ihn als zu wenig intelligent für den Job im Bundeshaus betitelte, oder davon, wie er Kofi Annan, der ihn liebevoll «Dölfi» nennt, das Telefon «auflegte», kam selbst Gysin kaum zu Wort. Schade nur, dass der Stargast nicht bis zum Ende der Show aufgespart wurde.

So folgte nach Ogi noch ein Auftritt des Schauspielers Dennis Schwabenland als Schlumpf, der die Zuschauer mit Sprüchen zum Thema Deutsche in der Schweiz nicht mehr so recht zum Lachen bringen konnte. Und auch der abschliessende Auftritt des Musikers Play Patrik, der zwar mit dem Song «I chume immer zspät» gut in die Show passte, vermochte nicht mehr an das Ogi-Hoch anzuknüpfen.

Weniger Konolfingen, mehr Bern

Trotz provinziellen Showeinlagen und gewissen Längen, die die Show nach wie vor noch hat, darf man gespannt sein auf die Weiterentwicklung des Formats – ganz nach dem Motto «Weniger Konolfingen, mehr Bern».

www.toolateshow.ch (Berner Zeitung)

Erstellt: 30.03.2015, 06:23 Uhr

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