Spiel mir das Lied vom Ton

Ohren auf! Am Berner Sonohr-Hörfestival dreht sich alles um Radioreportagen, Features und Hörspiele. Diese erleben laut Experten gerade ein lautstarkes Revival.

Hören entspannt in Zeiten der Bilderflut: Klangskulpturen, Hörspiele und Audio-Performances sind hip.

Hören entspannt in Zeiten der Bilderflut: Klangskulpturen, Hörspiele und Audio-Performances sind hip.

(Bild: zvg)

Helen Lagger@FuxHelen

«Marsianer greifen an! Das irdische Militär ist den Ausserirdischen hoffnungslos unterlegen.» Diese beunruhigende Nachricht erreichte 1938 die Radiohörer von New York und New Jersey. Dass Teile der Bevölkerung das Hörspiel «Krieg der Welten» von Orson Welles für eine authentische Reportage hielten, lag daran, dass Welles sein als Halloween-Scherz geplantes Stück geschickt ins herkömmliche Programm einbettete. Die angebliche Massenpanik wurde zwar von den Medien herbeigeschrieben – Tatsache bleibt aber, dass Welles danach berühmt war und sein Hörspiel Kult.

Revival des Hörspiels

Sowohl historischen auch als aktuellen Produktionen auf der Spur ist dieses Wochenende die dritte Ausgabe des Hörfestivals Sonohr (siehe Box), das im Kino Kunstmuseum in Bern stattfindet. Zum Festivalauftakt spricht Fritz Zaugg, Redaktionsleiter für Hörspiel und Satire beim Radio SRF, über «Das Hörspiel im Wandel der Zeit». Zaugg lässt in dieser sogenannten Masterclass die Hörspielgeschichte der Schweiz Revue passieren. Diese nahm ihren Anfang am 3.Januar 1925, als das «Urner Tellenspiel » über den Äther ging. «Das Hörspiel ist zwar zwischenzeitlich etwas aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden, tot war es aber nie», so der Experte im Gespräch. Heute erlebe das Hörspiel ein regelrechtes Revival. Woran das genau liege, wisse er auch nicht, aber es kämen in letzter Zeit auffällig viele Anfragen von Gymnasiasten, die ihre Abschlussarbeit dem Thema Hörspiel widmeten.

Wie die Arbeitsbedingungen bei einer solchen Produktion sich im Laufe der Zeit entwickelt haben, wird Zaugg anhand der Hörspielkrimireihe «Franz Musil», bei der er selbst Regie führt, illustrieren. Es sei vor allem die Technik, die sich verändert habe, so Zaugg. «Eine Liebesgeschichte ist auch heute noch eine Liebesgeschichte.» In punkto Dramaturgie komme man heute allerdings schneller auf den Punkt, es gäbe grössere Sprünge und werde insgesamt knapper erzählt. Neu seien auch die heutigen Kombinationsmöglichkeiten zwischen den Medien Radio und Fernsehen. So könne man heute mit sogenannten Streams via Internet TV-Aufzeichnungen am Radio mitverfolgen.

Akustische Wende

Diese zunehmende Verschmelzung der verschiedenen Medien betont auch Nathalie Singer, die an der Bauhaus Universität Weimar den Lehrstuhl «Experimentelles Radio» betreut. Sie beschäftigt sich ausgiebig mit dem Rundfunk in Zeiten der Digitalisierung und den damit einhergehenden Veränderungen. Anlässlich des Festivals stellt sie im Rahmen eines Gastgesprächs den weltweit einzigartigen Lehrstuhl vor und widmet sich der Frage «Wie klingt das Radio von morgen?». Die 43-jährige deutschfranzösische Professorin spricht gern von einem «Acoustic Turn». Dafür spreche etwa der anhaltende Erfolg von Hörbüchern. Dabei sollte man doch meinen, das rein Akustische könne in punkto Attraktivität nicht mit audiovisuellen Produktionen mithalten. Es scheint aber, dass gerade in Zeiten der Bilderflut die Lust am Zuhören wächst.

Sonohr-Hörfestival: 8.-10.2., Kino Kunstmuseum Bern.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...