Polo Hofers unnötige Cover-Version

Polo Hofers neue CD «Rimix» besteht aus aufgefrischten Aufnahmen aus den Achtzigern. Das Material überzeugt - bis auf einen Song. Hören Sie rein.

Hat verblüffendes auf Lager: Polo Hofer, 65.

Hat verblüffendes auf Lager: Polo Hofer, 65.

(Bild: Isabel Mäder)

«Der Weg zu zweit ist halb so weit», sangen 1981 Stephan und Martin Eicher mit ihrer gemeinsamen Band Grauzone. Es ist unwahrscheinlich, dass Polo Hofer und sein Produzent und «Tonminister» Eric Merz damals viel von dieser New-Wave-Poesie mitbekamen.

Obschon die Gebrüder Eicher Berner Wurzeln hatten und obschon Polo und Eric die Botschaft sicher unterschrieben hätten – schliesslich waren auch sie ein eingespieltes Team. Aber eben: Grauzone gehörten zum bewegten Teil der Berner Jugend, zu dessen Feindbild Polo Hofer avanciert war, weil er mit seinen gesellschaftskritischen Texten Geld verdient hatte.

30 Jahre später hat sich die Situation entspannt. «Der Weg zu zweit» ist längst in den heiligen Hallen der Kulthits entsorgt worden, Polo Hofer aber ist immer noch Seniorchef einer KMU namens «Bärner Rock». Dass er es allein nie so weit gebracht hätte, wird er als Erster einräumen. Es brauchte das akustische Zuckerbrot und die geschäftliche Peitsche von Eric Merz, um den Pfadi-Soul-Sänger mit Hang zu Hanf und Weib zum Polo National zu machen.

Frisch und knusprig

Nun hat sich Merz, der nach längerer kreativer Pause ins Musikgeschäft zurückgekehrt ist, dem gemeinsamen Tonarchiv angenommen. In seinem Keller hat er Aufnahmen aus den Achtzigerjahren entdeckt, die bisher niemand gehört hat. Die alten Bänder musste er bei exakt 58 Grad im Ofen backen, um dem technischen Zerfall entgegenzuwirken und ein letztes Abspielen zu ermöglichen. Die so geretteten Bänder hat Merz digitalisiert, neu gemischt und dabei seine eigene, durchaus subjektive Auswahl von «Rimixen» getroffen.

Polo Hofer tönt auf diesen aufgefrischten Aufnahmen erstaunlich keck, seine Band rockt forsch – eben auch dank der gekonnten Songauswahl: Merz zeigt den volkstümlichen Polo («Johnny, Kari und i») ebenso wie den Romantiker («Nach em Konzärt«), er bringt den Chronisten («Bombe Blues») und Memoiren-Sänger («Hotel Gitterblick») auf eine CD. Dazu hat Merz die alten Aufnahmen von den stilistischen Sünden der 1980er befreit und sie knusprig gemischt für die iPods der neusten Generation.

Nonsens und Protest

Natürlich gibt es auf «Rimix» auch Raritäten. «Bruuni Ouge», Polos Version von Van Morrisons «Brown Eyed Girl» (Hörprobe oben) hätte man ruhig dem Bandwurm überlassen dürfen. Dafür knüpft «Mir sy gäge Früehlig» von 1981 an ein nonsenselndes Lied von Ueli Balsiger (alias Balts Nill) an, das dieser im Stil der Bewegungs-Flyer geschrieben hatte. Polo Hofer hat den 30-jährigen Song instinktsicher in den Abstimmungskampf gegen den Verkauf der Reithalle eingebracht. Zumindest als «Rimix» ist Polo heute also auch den Überresten der 80er-Bewegung recht. Und Eric Merz hats einmal mehr gerichtet.

CD: Polo Hofer, «Rimix», Schnoutz/Sound Service. Erhältlich ab Freitag.

Berner Zeitung

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