Peter Jezler auch in Schaffhausen abgesägt

In Bern feierte er am Historischen Museum Grosserfolge. Nun wurde er in Schaffhausen als Museumsdirektor freigestellt. Am Freitag will er gegen ihn erhobene Vorwürfe öffentlich kontern und einen internen Bericht publik machen.

Peter Jezler, bis 2009 Museumsdirektor in Bern, ist in Schaffhausen als Direktor des Museums zu Allerheiligen freigestellt worden.

Peter Jezler, bis 2009 Museumsdirektor in Bern, ist in Schaffhausen als Direktor des Museums zu Allerheiligen freigestellt worden.

(Bild: Susanne Keller)

Stefan von Bergen@StefanvonBergen

Die Medienmitteilung der Stadtregierung von Schaffhausen trägt den harmlosen Titel «Am Museum soll wieder Ruhe einkehren». Der Inhalt aber ist beunruhigend: Der Direktor des renommierten Schaffhauser Museums zu Allerheiligen, Peter Jezler, wird per sofort freigestellt, «um Luft in eine für viele Mitarbeitende schwierige Arbeitsatmosphäre zu bringen».

Grosserfolge in Bern

Jezler ist in der Museumsszene kein Unbekannter. Bis 2009 war er in Bern Direktor des Historischen Museums und feierte Grosserfolge mit spektakulären Ausstellungen über Albert Einstein oder Karl den Kühnen, die Publikumsrekorde verzeichneten. Nach einem Zwischenspiel an der Fachhochschule Basel übernahm Jezler das Schaffhauser Museum und bescherte auch diesem steigende Einnahmen und Prestige. Jüngst etwa mit Ausstellungen über den Maler Albert Anker, über Atomendlager und zuletzt über mittelalterliche Ritterturniere.

Trotz der Erfolge aber kriselte es im Schaffhauser Museumsteam. Jezler willigte in ein Coaching ein, das sich in seinen Augen zu einer eigentlichen Untersuchung ausweitete. Auf Anfrage der Berner Zeitung spricht Jezler von «anonymen Vorwürfen», die «nicht überprüfbar» seien. Über diese wurde Jezler durch einen für ihn «vernichtenden», internen Bericht informiert, den ihm die Stadtregierung am Montag vorlegte. Der gestrige Artikel in den «Schaffhauser Nachrichten» legt laut Jezler nahe, dass die Zeitung durch eine Indiskretion – und vielleicht durch eine Amtsgeheimnisverletzung – Einblick in den Bericht hatte. Darin gibt es auch Stimmen aus Bern, die zu Ungunsten von Jezler über dessen Berner Ära aussagen.

Wie er dieser Zeitung bestätigte, will Jezler nun am Freitag in Schaffhausen an einer öffentlichen Medienorientierung «gegen die Vorwürfe und die Druckversuche» antreten. Dabei will er auch den internen Bericht publik machen.

Konflikt mit Geldgebern?

Erkennt Jezler Parallelen zwischen der Freistellung in Schaffhausen und seinem nicht ganz geräuschlosen Abgang 2009 in Bern? Es könnte sein, dass sich an beiden Orten ein Hauptmäzen daran stosse, dass das Museum durch Erfolg zu stark und unabhängig werde, vermutet Jezler. Nicht zuletzt die Burgergemeinde Bern, eine der Trägerinnen des Berner Museums, soll sich einst über Jezlers Ungeduld und finanzielle Forderungen geärgert haben. In der Medienmitteilung aus Schaffhausen ist nun die Rede von «erheblichen Störungen» im Museumskader und von «Vorbehalten gegen Jezlers Führung».

Berner Zeitung

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