Langnauer Autor und Politiker Ernst Eggimann gestorben

Langnau

Ein Vorbild für die Spoken-Word-Helden von heute: Der Langnauer Autor und Politiker Ernst Eggimann ist am Dienstag 79-jährig verstorben.

«Nestbeschmutzer» und Pionier: Ernst Eggimann in einer Aufnahme von 2012.<p class='credit'>(Bild: Tomas Wüthrich)</p>

«Nestbeschmutzer» und Pionier: Ernst Eggimann in einer Aufnahme von 2012.

(Bild: Tomas Wüthrich)

Michael Feller@mikefelloni

Er hat Grundlegendes geschaffen: Ernst Eggimanns Lyrik der 60er- und 70er-Jahre hallt nach. Seine Gedichte waren in Volkssprache verfasst, aber inhaltlich weit weg vom bluemete Trögli. «Er gehörte mit Kurt Marti und Ernst Burren auf jeden Fall zu den grossen Erneuerern der Mundartliteratur», sagt Matthias Burki vom Verlag Der gesunde Menschenversand.

Der Verlag hatte zu seinem 75. Geburtstag 2011 seine Gedichte wieder aufgelegt, im Band «u ner hört». Eggimann wurde in den letzten Jahren wiederentdeckt, als eine junge Lyrikergeneration in ihm ein Vorbild fand. 2012 ehrte ihn die Spoken-Word-Szene mit einer Hommage-CD.

In Langnau unverstanden

1936 in Bern geboren, lebte Eggimann viele Jahre in Langnau. Der Seklehrer galt als Nestbeschmutzer. Er fiel auf, weil er seine Haare etwas länger trug. Damit – und weil er über «grüeni Chüe» schrieb – hatten die Bauern ihre liebe Mühe. Eggimanns Gedichte fanden denn auch in Zürich weit mehr Beachtung als im Emmental. Lange blieb er in Langnau unverstanden. Erst 2012 widmete die Gemeinde dem Schriftsteller den Ernst-Eggimann-Weg, der hinter dem Spital durchführt.

1984 wurde Eggimann in den Grossen Rat gewählt, als einer der ersten Grünen. Allerdings vertrat er nicht seinen Amtsbezirk Signau, sondern die Stadt Bern, was für Unmut sorgte. Der gründlich fichierte Eggimann blieb der Kantonspolitik bis 1997 erhalten. Mit kunstvollem Schreiben war allerdings viel früher Schluss. «E satz zmitts i d wäut» war 1981 sein letzter Lyrikband. Er wurde ausgezeichnet, gewann unter anderem 1982 den Buchpreis des Kantons Bern. Die lautmalerischen Gedichte hatten und haben über die Schweiz hinaus Verehrer. Selbst der deutsche Krachlautlyriker Ernst Jandl soll ihn gelobt haben, wie Eggimann selber berichtete, als ihn diese Zeitung zu seinem 75. Geburtstag porträtierte.

Für den Langnauer Mundartautor Achim Parterre bleibt Eggimann ein Vorbild. «Er beeinflusst uns jüngere Mundartautoren bis heute. Seine Texte sind immer noch aktuell, haben nichts Verstaubtes an sich. Das zeigt, wie sehr er seiner Zeit voraus war.»

Lautmalerei für die Musik

Das Rhythmische in seiner Lyrik machte auch die Musiker auf ihn aufmerksam. Bereits in den 70er-Jahren vertonte Heinz Reber auf der Platte «Reber singt Eggimann» die Gedichte. 30 Jahre später nahm der Berner Pianist Willy Schnyder die Idee wieder auf. 2005 fing er an, die Lyrik zu vertonen. Er lud Eggimann in sein Studio ein und stellte ihm die Lieder vor. «Er hatte grosse Freude daran.» Aus den Vertonungen produzierte Schnyder das Programm «EggiMaa-RundiFrou», das er ab 2012 aufführte.

Schnyders Kontakt mit Eggimann und dessen Frau hielt an. Eggimanns Gesundheitszustand habe sich in den letzten Jahren rapide verschlechtert. Er verbrachte seinen Lebensabend in einem Dorf in der Nähe von Arles. «Es war sein Wunsch, in Südfrankreich zu sterben», sagt Schnyder. Dort ging am Dienstag sein Leben nach 79 Jahren zu Ende.

Berner Zeitung

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