Bern

In der Halle breitet sich ein kreativer Schwarm aus

BernIn der Grossen Halle der Reitschule wird eine farbige Szenerie aufgebaut. Die «kreative Allmend» gedeiht unter dem Motto «Lebenslanges Lernen». Am Wochenende kulminiert das Ganze in zwei Festivals.

In der Grossen Halle wird zehn Tage lang gelebt, gearbeitet, 
gefeiert und Wissen ausgetauscht.

In der Grossen Halle wird zehn Tage lang gelebt, gearbeitet, gefeiert und Wissen ausgetauscht. Bild: Beat Mathys

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ein Siebdruckplakat wie so manches aus der alternativen Szene: Die «Bank of Czentrifuga» suche einen Filialleiter, steht da unter der Überschrift «Wanted», was dann doch eher auf Steckbrief macht. Dazu passt der Vermerk «Geldwäsche» in der unteren linken Ecke, und auch das EU-Signet daneben dürfte ironisch gemeint sein.

Doch halt: «Schwarm», das internationale «Skill-Sharing-Festival», bei dem es gemäss Titel also um den Austausch von Kunstfertigkeiten geht, findet tatsächlich unter dem Dach eines EU-Projekts statt. Im Rahmen des «Grundtvig-Programms für Lebenslanges Lernen» der Europäischen Kommission für Bildung trifft sich das Druckerei-Kollektiv der Reitschule seit zwei Jahren regelmässig mit Kunstkollektiven aus Frankreich, England, Polen und Deutschland. «Es mag viele erstaunen, dass sich ein Projekt der Reitschule auf diese Weise institutionell anbindet», sagt Marcel Schwald, der für «Schwarm» die Pressearbeit besorgt. «Doch in der ‹Drucki› ist Austausch allen sehr wichtig.»

Mitbauen dürfen alle

Zum Abschluss des Programms bauen die vernetzten Kollektive seit Montag in der Grossen Halle eine «kreative Allmend» auf. Immer um 10 Uhr sind Koordinationstreffen und Ideenbörse angesagt, danach wird gesägt, gehämmert, geschnitten, geklebt. Hier steht ein «Freeshop» – ein wie ein Ausstellungsobjekt gestalteter Laden mit Gratisartikeln –, da eine mobile Siebdruckerei aus Berlin, dort zimmern zwei einen riesigen Delfin, daneben andere einen überdimensionierten Stuhl. Kaum zu glauben, dass am Montagmorgen die Grosse Halle noch leer war. «Als Erstes haben wir ein paar Tonnen Material reingeschleppt», erzählt Schwald.

Die EU habe hauptsächlich Reise- und Unterkunftskosten übernommen, sagt er. Wie es mit der Beteiligung der Schweiz an ähnlichen Programmen weitergehe, sei nach der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative offen. Doch auch wenn die finanzielle Unterstützung sicherlich gelegen kam, steht den Kollektiven der Sinn ohnehin nach «selbst organisiertem, gemeinschaftlichem und experimentellem Lernen». Und nach einer Offenheit über alle Institutionen und Grenzen hinweg: Freier Zugang zu Wissen und zur Stadt sind ebenso Themen des zehntägigen «Schwarms» wie ein aktiver Antirassismus. Mitbauen dürfen alle, abends gibts in der Volksküche etwas zu essen.

Verantwortlich sind alle

Die Stühle (sowie andere Gelegenheiten zum Sitzen oder «Hängen»), die in der Grossen Halle in diesen Tagen gebaut werden, dürften bald auch auf dem Vorplatz und im öffentlichen Raum anzutreffen sein. Das ist eine Art, das «Schwarm»-Festival bekannt zu machen – und es ist eine Kritik an den Zuständen im öffentlichen Raum: «Man kann unter dem Baldachin oder auf dem Bundesplatz ja kaum noch irgendwo sitzen», sagt Schwald.

Täglich stossen bei «Schwarm» neue Gruppen dazu, spontan hat sich ein Kollektiv aus Mallorca angemeldet, ein anderer Künstler wird aus China erwartet. «Leben und Arbeiten im Kollektiv führt zu einer unkomplizierten, offenen Schaffenskultur.» Ausdruck dieser Offenheit ist auch das Zusammengehen mit «Pokus Hokus», dem «etwas verdrehten Rummelplatz» am Samstag. Das eine vermischt sich in der Grossen Halle mit dem anderen, organisiert wie ein Schwarm: ohne Anführer, gesamthaft verantwortlich.

«Schwarm» Grosse Halle, 7.–16.Juli: www.susanschwarm.wordpress.com.
«Pokus Hokus» am Samstag, 12.7.: www.pokushokus.ch.
(Berner Zeitung)

Erstellt: 08.07.2014, 20:40 Uhr

Sponsored

Ein Hauch Kalifornien in der Westschweiz

Lausanne wird immer wieder mit San Francisco verglichen. Was daran stimmt, sagt Yves Béhar, Designer des 100-Dollar-Laptops.

Kommentare

Service

Mitdiskutieren, teilen, gewinnen.

News für Ihre Timeline.

Die Welt in Bildern

Küsschen gefällig?: Die US-amerikanische Sängerin Macy Gray unterhält das Publikum mit ihrer Show am Jazzaldia Festival Spanien. (24.Juli 2017)
(Bild: Vincent West) Mehr...