Der Deutsche, der Chuchichäschtli sagen kann

Michael Mittermeier ist der deutsche Bühnenkünstler, der akzentfrei Dialekt spricht. Am 5. und 6. Juni witzelt der Starkomiker mit seinem neuen Programm «Blackout» in der Berner Festhalle.

Michael Mittermeier: «Die bairischen und schweizerischen Mundarten haben ja  den grossen Vorteil, dass nur Hiesige 
verstehen, was gemeint  ist.»

Michael Mittermeier: «Die bairischen und schweizerischen Mundarten haben ja den grossen Vorteil, dass nur Hiesige verstehen, was gemeint ist.»

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Herr Mittermeier, nach einer Krankheit sprach in Thüringen eine Frau nur noch Schwyzerdütsch – obwohl sie noch nie hier war. Haben Sie Ihre Dialektkenntnisse ähnlich erworben?
Michael Mittermeier: Möglicherweise hatte die Frau nach dieser Krankheit nun eine Sprachstörung und redete deshalb mit besonders vielen Kehllauten. Oder noch wahrscheinlicher war sie bloss erkältet. Beides stimmt für mich nicht. Ich habe keine Sprachbehinderung und bin wohlauf. Euer Dialekt war für mich zwar Liebe auf den ersten Blick. Aber bis ich ihn hinbekommen habe, musste ich lange dran arbeiten. Es hat sich gelohnt. Die bairischen und schweizerischen Mundarten haben ja den grossen Vorteil, dass nur Hiesige verstehen, was gemeint ist.

Sie sind ja so lieb zu uns Schweizern. Anhand eines Videos von einem Ihrer Wiener Auftritte habe ich festgestellt, dass sie zu den Österreichern ebenso nett sind. Alles PR oder was?
Ach, hören Sie. Das wäre dumme PR. Rechnerisch lohnt sich mein grosser Aufwand für ein so kleines Publikum gar nicht. Ich bin auch nicht nur nett zu den Schweizern. Diese Ausländerbeschränkung, die ihr einführen wollt, wie heisst die doch gleich?

Ventilklausel.
Da muss ich doch befürchten, dass ich nicht mehr einreisen kann.

Wenn Sie Steuern zahlen, haben Sie keine Probleme.
Genau da versagt ja diese Beschränkung. Sie ist bloss Augenwischerei und bewirkt überhaupt nichts. Ausserdem zielt sie auf die Falschen. Sinnvoll wäre sie, wenn sie Betrüger fernhalten würde. Wirklich profitieren könnte die Schweiz von einer Ventilklausel gegen Steuerhinterzieher.

Sie reichern Ihre Auftritte mit lokalen Themen an. Diesen Sommer erlebt die Schweiz das Eidgenössische Schwingfest.
Ich habe davon gehört. Eine Art traditioneller Partnertausch.

Für Homosexuelle?
Das weiss ich nicht. Ich habe aber gehört, dass sich die Männer dabei gegenseitig an die Hosen fassen.

Aha, da haben wirs. Der Mittermeier zielt halt doch unter die Gürtellinie.
Das schiebt man mir immer wieder völlig zu Unrecht zu. Die Kritiker suchen mit der Lupe nach Anzüglichem. Mein neues Programm «Blackout» dauert zwei Stunden und hat bloss einen einzigen Tittenwitz.

Verraten Sie ihn uns?
Die gegenwärtige EU-Finanzpolitik funktioniert wie ein Dirndlkleid. Man drückt und presst, damit es schön aussieht. Doch wenn mans aufschnürt, fällt alles auseinander.

In einem Ihrer früheren Programme freuen Sie sich, dass unsere Dialekte den Geschlechtsverkehr verschieden benennen: Die Deutschen poppen, die Österreicher pudern, die Schweizer vögeln.
Das ist doch herzig und idyllisch, bei den Vögeln denkt man an einen Waldspaziergang und an Romantik.

Diese Vielfalt ist allerdings bedroht. Alle reden heute nur noch vom Ficken.
Schade. Es macht bedeutend mehr Spass, wenn man auswählen kann.

Bitterer Ernst ist Ihr Einsatz für den bedrohten burmesischen Komiker Zarganar. Wie geht es ihm?
Er wurde zu 35 Jahren Haft verurteilt, weil er die Regierung verspottete. Zurzeit ist er frei, aber die Strafe ist nur aufgeschoben. Die Diktatur in Burma ist zurzeit weniger repressiv, als sie es früher war. Aber man weiss nicht, in welche Richtung sich das Regime bewegt. Zarganar hat einiges bewirkt.

Anhand der von Ihnen mitrealisierten Dokumentation vermutet man, dass er auf der Bühne nicht sehr unterhaltend ist.
Die Dokumentation zeigt nur einen kleinen Teil seiner Arbeit. Er ist ein witziger, guter Komiker. Auch wer eine Aussage hat und sich engagiert, darf niemals langweilen.

Immerhin gelingt ihm nicht, was Sie schaffen: die ganz grossen Hallen zu füllen, das Zürcher Hallenstadion oder die Berner Festhalle etwa.
Ich habe ja auch klein angefangen und nie gedacht, dass ich mal 5000 Besucher haben werde. Es ist schon ein tolles Gefühl, vor so vielen Menschen zu spielen. Niemand ist gezwungen, solch grosse Veranstaltungen zu besuchen.

Franken sind Bewohner eines Teils von Bayern. Treten Sie in der Schweiz vor einem derart grossen Publikum auf, weil Sie die Franken so gern haben?
Ha, das ist eine Pointe, die ich selbst verwende.

Stimmt. Ich habe sie geklaut. (Berner Zeitung)

Erstellt: 16.05.2013, 11:54 Uhr

Multitalent Mittermeier

Um Aussetzer der verschiedensten Art geht es Michael Mittermeier in «Blackout». Mit seinem neuen Programm kommt der 47-Jährige am 5. und 6.Juni nach Bern. Hier in der Festhalle wird er wohl wieder mit seinem akzentfreien Schweizerdialekt brillieren.

Der Bayer gehört zu den bekanntesten Stand-up-Komikern, ist aber auch ein erfolgreicher Rockmusiker. Die Erlebnisse mit seiner unterdessen fünfjährigen Tochter verarbeitete er 2010 zum Buch «Achtung Baby!» und zum gleichnamigem Bühnenprogramm. Mittermeier ist auch mit einem englischsprachigen Soloprogramm «A German on Safari» auf Tour.

Auftritt: Mi, 5.Juni, und Do, 6.Juni, Festhalle. Vorverkauf: Tel. 0900800800. www.ticketcorner.ch

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