Zum Hauptinhalt springen

«Die Löhne widerspiegeln den Beitrag zum Gemeinwohl nicht»

Michael J. Sandel ist einer der weltweit einflussreichsten Philosophen. In seinem neuen Buch«Gerechtigkeit» vertritt der Harvard-Professor die Ansicht, enorme Lohndifferenzen etwa seien «ausserordentlich schwer zu begründen».

«Es gibt kein individuelles Leben ausserhalb der Gesellschaft Felix Clay» «The Guardian»
«Es gibt kein individuelles Leben ausserhalb der Gesellschaft Felix Clay» «The Guardian»
(«The Guardian»)

Folter gilt gemeinhin als ungerecht. Nehmen wir nun aber den Fall an, dass mein Kind entführt wurde und ich jemanden festhalte, von dem ich glaube, dass er weiss, wo es versteckt wird. Ist Folter dann gerechtfertigt? Ich würde sagen, nein. Das Hauptargument derjenigen, die sich für Folter aussprechen, ist ein utilitaristischer Grund. Im Wesentlichen bedeutet er, dass die Zahlen ausschlaggebend sind. Man darf einen Menschen foltern, um zwei, drei oder auch Tausende von Menschen zu retten. Der Haupteinwand gegen die Folter ist ein Argument von Immanuel Kant. Er hat ausgeführt, dass es nicht zulässig sei, einen Menschen zu foltern, selbst um eine beliebig hohe Zahl von Menschen zu retten. Dies beruht auf dem Begriff der Würde des Menschen, die unverletzlich sei. Es sei eine kategorische Pflicht für jeden Menschen, die Würde eines anderen zu achten.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.