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Tote Riesen und winzige Pferde in russischer Ödnis

Grossartig: Vladimir Sorokin schafft mit «Der Schneesturm» ein Werk, das gekonnt Elemente der russischen Realisten mit düsteren Zukunftsvisionen einer Hightechgesellschaft verbindet.

Eine dicke Schneedecke liegt über Russland, legt den Verkehr lahm und lässt die Welt düster und unheimlich aussehen. Das ist sie sowieso. «Der Schneesturm», der eben auf Deutsch übersetzte Roman von Vladimir Sorokin, ist gewissermassen eine Antiutopie, er zeigt die archaischen Zustände in einem Russland nach der Apokalypse. In diesem Russland macht sich der Landarzt Platon Garin auf, die Menschen im fernen Dolgoje gegen eine rätselhafte Seuche zu impfen, welche die Infizierten zu Zombies macht. Mit dem Fuhrmann Kosma, den alle nur den Krächz nennen, und einem Schlitten, der von fünfzig winzigkleinen Pferden gezogen wird, bricht Garin auf in die russische Steppe. Die ist so, wie sie schon bei den grossen russischen Realisten Tolstoi und Tschechow detailliert beschrieben wird. Eine endlose Weite, unwirtlich, einsam, mit spärlich vorhandenen Dörfern, wo man Tee aus dem Samowar trinkt, natürlich auch Wodka und Salzgurken zu sich nimmt und sich für ein Nickerchen auf den warmen Ofen legt. Es ist die Beschreibung eines Zustands, den man bei uns im Westen auch häufig als russische Seele versteht.

Märchenwelt für Erwachsene

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