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«So funktioniert das Leben»

Lucy Fricke weiss genau, worüber sie schreibt. Ihr Roman «Ich habe Freunde mitgebracht» ist eine persönliche Forschungsreise und zugleich das herrlich komische Selbstporträt einer kriselnden Generation. Eine Begegnung mit der Wahlberlinerin.

Sie sind Mitte dreissig, leben in Berlin, und machen irgendwas mit Medien, nichts Grossartiges, aber immerhin: Martha spricht die Nachrichten im Lokalradio, Betty achtet bei Dreharbeiten auf die richtigen Anschlüsse, Henning zeichnet für Comic-Strips die Zwischenphasen, und der schöne Jon ist in Fernsehkrimis immer mal wieder als Leiche zu sehen. «So funktioniert das Leben», sagt Lucy Fricke und lacht: «So wie man plant und denkt, so kommt es nie.» Das glaubt man ihr aufs Wort, denn der Roman der 36-Jährigen handelt von Niederlagen, von gefühlten oder tatsächlichen Mängeln, von Chancen, die man irgendwie vermasselt hat. Es ist diese Dreissig-Plus-Krise, für die noch kein eigener Name existiert, die Frickes Protagonisten quält: Man ist im Beruf, im Leben angekommen, allerdings weiter unten als erhofft. Statt grosser Erfolge herrschen Wut und Kleinmut, man glaubt, nichts erreicht zu haben. Auch das Alter macht sich plötzlich bemerkbar: Betty wird ihre Rückenschmerzen nicht mehr los, aber schlimmer ist die Müdigkeit, die sich auch mit ausreichend Schlaf nicht mehr vertreiben lässt. Die Jugend ist zu Ende – was kann jetzt noch kommen?

«Das ist eine böse Frage», sagt die gebürtige Hamburgerin. Aber sie denkt doch darüber nach und erzählt dann, wie sie sich selbst noch bis vor kurzem in einem rite de passage befand – vom Skriptgirl zur Schriftstellerin. Wie ihre Figur Betty wollte sie unter den Knochenjob beim Film einen Schlussstrich ziehen, «körperlich war es wahnsinnig anstrengend, und durch die vielen Reisen schläft das Sozialleben ein».

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