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Sind Amerikaner zu dumm für grosse Literatur?

Ein Mitglied des schwedischen Literaturnobelpreiskomitees hat amerikanische Schriftsteller als zu isoliert und unwissend bezeichnet, um wirklich gute Bücher zu schreiben.

«Sie übersetzen nicht genug, und sie nehmen nicht wirklich am grossen Dialog der Literatur teil», sagte der ständige Sekretär der Schwedischen Akademie, Horace Engdahl, in einem Interview der Nachrichtenagentur AP in Stockholm. «Diese Unwissenheit ist hinderlich.» US-Schriftsteller seien zu empfänglich für Trends in ihrer eigenen Massenkultur und das «zieht die Qualität ihrer Arbeit nach unten».

Engdahl wollte einer Woche vor Verleihung keine Namen aussichtsreicher Kandidaten diskutieren. Eine Entscheidung sei in der Jury mit 16 Mitgliedern noch nicht gefallen. Der Preisträger wird möglicherweise am Donnerstag kommender Woche bekanntgegeben. Traditionell wird der Termin zwei Tage vorher bekanntgegeben. Zu den jährlich genannten möglichen amerikanischen Preisträgern gehören Philip Roth und Joyce Carol Oates. Engdahl sagte, es könnte dieses Jahr noch «einige Zeit» dauern, bis das Komitee sich auf einen Preisträger geeinigt habe.

Scharfe Kritik aus den USA

Engdahl sagte, es gebe starke Literatur in allen grossen Kulturen. «Aber man entkommt nicht der Tatsache, dass Europa immer noch das Zentrum der literarischen Welt ist, nicht die Vereinigten Staaten.» Es sei kein Zufall, dass die meisten Literaturnobelpreisträger Europäer seien. Europa ziehe Exilliteraten an, weil es «die Unabhängigkeit der Literatur respektiert» und ein sicherer Hafen sei. «Viele Autoren, die ihre Wurzeln in anderen Ländern haben, arbeiten in Europa, weil man da in Ruhe gelassen wird und schreiben kann, ohne erschlagen zu werden», erklärte Engdahl. «Es ist in weiten Teilen Afrikas und Asiens gefährlich, Schriftsteller zu sein.»

In den USA stiessen Engdahls Äusserungen auf scharfe Kritik. Der Direktor der Nationalen Buchstiftung, Harold Augenbraum, sagte, er wolle Engdahl eine Empfehlungsliste mit amerikanischer Literatur schicken. «Solche Äusserungen lassen mich denken, dass Engdahl sehr wenig amerikanische Literatur ausserhalb des Mainstreams gelesen hat und eine sehr enge Sicht auf das hat, was Literatur in diesem Zeitalter ausmacht», sagte er.

AP/mma

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