Selbstzerstörung auf Hochglanz

Cat Marnell schreibt für ein amerikanisches Hochglanzmagazin über Beautythemen und veröffentlicht nun ihre Memoiren. Diese klingen jedoch gar nicht glamourös.

Cat Marnell schreibt für das Hochglanzmagazin «Lucky» und hat nun, mit 26, ihre Memoiren veröffentlicht.

Cat Marnell schreibt für das Hochglanzmagazin «Lucky» und hat nun, mit 26, ihre Memoiren veröffentlicht.

(Bild: zvg)

Nina Kobelt@Tamedia

Mit 26 ist Cat Marnell Beautyredaktorin bei «Lucky», einem der glamourösesten Hochglanzmagazine Amerikas. Nachts feiert sie Partys, und tags schreibt sie alberne Texte, um ihren Leserinnen Beautythemen näherzubringen. Es ist ihr Traumjob, und sie ist einigermassen berühmt.

Heute, sieben oder «schätzungsweise fünfzehntausend Jahre später», wie Cat Marnell schreibt, hat sie ihre Memoiren veröffentlicht, die so gar nicht glamourös klingen: Marnell war seit ihrer Kindheit von Medikamenten abhängig, die ihr Vater, ein Psychotherapeut, ihr wegen ADHS verschrieben hatte, war drogenabhängig und litt an Bulimie.

Sie machte auch Entzüge, immer so schnell mal nebenbei, weil das von ihr verlangt wurde und weil sie ihren heiss geliebten Job in der Frauenmagazinbranche behalten wollte («Der Entzug war wie ein Internat, nur mit dem Unterschied, dass ich mein Ritalin nicht nehmen konnte und Drogentests statt Matheprüfungen über mich ergehen lassen musste»).

Reiches Mädchen mit Drogenproblem? Ja, schon. Doch Marnell weigert sich partout, in die Rolle des Opfers zu schlüpfen, sie versucht stetig, sich zu verbessern, scheitert, steht wieder auf, macht genau gleich ­weiter – und übt Selbstkritik. Im Nachhinein, nach der Lektüre ihrer Biografie, scheint es seltsam, dass eine so gescheite, begabte Frau sich nicht mehr Sorge trägt, obwohl sie doch so viel Selbstreflexion betreibt.

Über Silver Hill, eine Klinik, die schon einige Prominente von innen ­gesehen haben, schreibt sie: «Ich hatte schon Erlebnisse auf der Sonnenbank, die mein Leben stärker veränderten. Versteht mich nicht falsch, das Programm war fantastisch. Ich war das Problem – mein Geisteszustand.»

Zuletzt arbeitete Marnell beim Onlinemagazin «xoJane» – als Drogenkolumnistin. Dann nahm sie eine Überdosis. Und ging wieder auf Entzug, dieses Mal nach Thailand. Dort begann sie, ihre Geschichte aufzuschreiben.

Es ist eine atemberaubende Geschichte, beim Lesen ist es, als ob man Achterbahn fahren würde. Grossartig. Cat Marnells Buch ist aber auch eine Liebeserklärung an den Printjournalismus. Sie vergötterte ihren Ar­beitgeber Condé Nast, der die «Vogue», «Glamour» und neuerdings Gwyneth Paltrows «Goop» herausgibt, und auch ihre Bosse, Chefredaktorinnen alter Schule.

Papier war eine von Cat Marnells Drogen, ihren Namen im Magazin zu sehen, versetzte sie in ein Hoch. Eines, das ihr allerdings weit weniger zusetzte als jene mit harten Drogen.

«How to Murder Your Life: Selbstporträt eines Hochglanzjunkies», Cat Marnell, 428 S., Verlag Rowohlt.

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