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Nobelpreisstreit: Antiamerikanismus oder Missverständnis?

Amerikaner seien zu unwissend, um grosse Literatur zu schreiben, sagte der Chef der Nobelpreis-Jury, Horace Engdahl. Nun muss er sich gegen den Vorwurf des «Antiamerikanismus» verteidigen.

Wie Engdahl am Mittwoch in Stockholm mitteilte, sei der begehrteste Literaturpreis der Welt «eine Auszeichnung an individuelle Autoren und keine Konkurrenz zwischen Nationen». Engdahl reagierte damit auf Kritik.

Gegenüber der Nachrichtenagentur AP hatte er zuvor erklärt, Schriftsteller aus den Vereinigten Staaten seien «zu isoliert und unwissend», um grosse Literatur zu schreiben. Überdies würde die Qualität ihrer Arbeit «nach unten gezogen», weil sie «zu empfänglich für Trends in der Massenkultur» seien.

Engdahl verweigerte anschliessend weitere Interviews und verschickte stattdessen eine Erklärung, in der er die zitierten Äusserungen nicht bestritt. Kritische Reaktionen darauf beruhten aber auf einem «Missverständnis», weil die Nationalität bei der Auswahl eines Literatur-Nobelpreisträgers keine Rolle spiele.

«Folgerichtig ist es bei der Auswahl eines Preisträgers ohne Bedeutung, wie ein Einzelner von uns die amerikanische Literatur im Vergleich zu anderen als Ganzes einschätzt.» Der Entscheid über den Nobelpreis wird für den 9. Oktober oder den 16. Oktober erwartet.

Zu den aussichtsreichsten Anwärtern zählen wie seit vielen Jahren die US-Autoren Thomas Pynchon und Philip Roth. Zuletzt wurde aus den Vereinigten Staaten 1993 die Romanautorin Toni Morrison ausgezeichnet. Im letzten Jahr erhielt die Britin Doris Lessing den mit zehn Millionen Kronen (1,6 Millionen Franken) dotierten Preis.

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