Zum Hauptinhalt springen

Nobelpreis für Literatur geht an Mo Yan

Der chinesische Schriftsteller gilt als Meister des magischen Realismus - Intellektuelle in seiner Heimat sehen ihn als staatsnah.

Der chinesische Autor verbinde «mit halluzinatorischem Realismus Volksmärchen, Geschichte und Zeitgenössisches», hiess es in der Begründung. Die Zwänge des offiziell sanktionierten Realismus habe er schon früh hinter sich gelassen und sein literarisches Schaffen dem magischen Realismus gewidmet.

Nach Ansicht seines deutschsprachigen Verlegers erklärt Mo die neuere Geschichte Chinas so vielseitig wie kein anderer. «Mo Yan lässt in seinen Romanen tausend Stimmen zu Wort kommen, er spielt auf der ganz grossen Orgel und trifft alle Töne von witzig und frech über burlesk und fantastisch bis berührend und tragisch», sagte der Gründer und Leiter des Züricher Unionsverlags, Lucien Leitess, am Donnerstag auf der Frankfurter Buchmesse. Mo Yans in diesem Jahr auf Deutsch erschienenes Buch «Der Überdruss» zeichne sehr anschaulich den Weg Chinas von 1940 bis heute nach.

Der 57-jährige Mo kam als Bauernsohn auf die Welt und arbeitete während der Kulturrevolution in der Fabrik. Zu schreiben begann er während seines Militärdiensts in der Volksbefreiungsarmee. Auf Deutsch übersetzt wurden unter anderem seine Bücher «Die Schnapsstadt», «Die Sandelholzstrafe», «Die Knoblauchrevolte» und «Der Überdruss». Mit seinem Roman «Frosch» (in China ein traditionelles Symboltier für Geburten) griff er das aktuelle Thema der gesellschaftlichen Auswirkungen der chinesischen Ein-Kind- Politik auf und sorgte für Diskussionen.

Thema ist das Schicksal einer Gynäkologin auf dem Land, die in heftigen Gewissenskonflikt zwischen der strikten staatlichen Geburtenkontrolle und dem Wert jedes einzelnen Lebens gerät. Als Vorbild für die Figur soll Mo Yan seine Tante gedient haben, die selbst seit Anfang der 80er-Jahre bei Geburten als Ärztin tätig war. Für das Buch gewann er 2011 den Mao Dun Preis.

Ein Staatsschriftsteller?

Die Verleihung des Literaturnobelpreises an Mo Yan darf als Überraschung gewertet werden und dürfte noch für reichlich Diskussionsstoff sorgen: Mo Yan gilt, obwohl er in seinem Werk teils heftige Kritik an den Zuständen in China übt, als staatsnah - zumindest warf ihm Autor Ma Jian vor, sich nicht für chinesische Schriftsteller und Intellektuelle einzusetzen, die im Gefängnis sitzen.

Sein literarisches Werk passt allerdings schwerlich in politische Schubladen. Doch sah sich Mo Yan 2009 gezwungen, den Vorwurf zurückzuweisen, ein «Staatsschriftsteller» zu sein. Bei dem umstrittenen Gastlandauftritt Chinas damals auf der Frankfurter Buchmesse gehörte der Autor zur offiziellen chinesischen Delegation. Als die Delegation unter Anleitung des damaligen chinesischen Botschafters Mei Zhaorong aus Protest gegen die Teilnahme chinesischer Dissidenten an einem Symposium demonstrativ den Raum verliess, marschierte Mo Yan mit.

Sein Verhalten stiess unter chinesischen Intellektuellen auf Kritik. Mo Yan rechtfertigte sich mit den besonderen Zwängen, die bis heute in China herrschen. So sei er vom Verlags- und Presseamt sowie vom Schriftstellerverband in die offizielle Delegation entsandt worden. Auch sei er weiter bei einem Institut des Pekinger Kulturministeriums angestellt, das schlieddlich auch seine Sozial- und Krankenversicherung zahle, argumentierte Mo Yan.

«Das ist die die Realität in China», so Mo Yan in einem Interview mit «China Newsweek»: «Ich kann verstehen, wenn Ausländer mich kritisieren. Wenn die Kritik aber von meinen Landsleuten kommt, dann ist das unverschämt.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch