Nina Burri setzt sich ein Denkmal

Mit dem schweren Bildband «Body in Motion» feiert sich die Berner Schlangenfrau Nina Burri selbst. Das ist ästhetisch und erotisch, aber nicht besonders aufschlussreich.

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Nina Burri hat viele Träume, und viele davon sind in Erfüllung ­gegangen. Die 40-Jährige verdient ihr Geld seit vielen Jahren als Kontorsionistin, als Schlangenfrau, wie man sagt.

Burri wurde zum Beispiel Zweite in der Castingshow «Die grössten Schweizer Talente», beim US-Pendant «America’s Got Talent» schaffte sie es ins Viertelfinale. Sie trat ein Jahr lang im Circus Knie auf. Auf Instagram folgen ihr mehr als 16 000 Fans.

Nackt und verrenkt

Mit «Body in Motion» erfüllt sich die Tochter einer Trachtenverleiherin und eines Polizisten jetzt einen weiteren Traum: Sie legt ein grosses, dickes und schweres Fotobuch vor, in dem sie sich auf knapp 280 Seiten selbst feiert. Sie könne behaupten, schreibt die Bernerin, dass es «nie zuvor» eine Schlangenfrau gab, die ein «solches Buch» veröffentlicht hat. Ein solches Buch? Das heisst in Burris Fall, dass sie darin auf über 150 Bildern ihren makellosen Körper präsentiert. Auf fast allen führt sie Verrenkungen vor, die nach menschlichem Ermessen eigentlich nicht möglich sind. Und auf fast allen ist sie nackt.

Man darf Burri also nackt und verrenkt am Times Square bewundern, nackt und verrenkt in einer Berliner Wohnung, nackt und verrenkt in einer Mailänder Fabrik, nackt und verrenkt im Death Valley. Es sind sehr ästhetische Bilder, sehr erotische auch. Aber irgendwann hat man sie dann eben auch gesehen und möchte etwas mehr über diese Frau erfahren, die sich mit den Zehenspitzen die Ohren kraulen kann und dabei sexy aussieht.

Das aber ist mit «Body in Motion» nicht möglich. Das Interview, das der frühere «Schweizer Illustrierte»-Chef Peter Rothenbühler geführt und als Einstieg in das Buch aufgeschrieben hat, ist eher freundliche Abfrage biografischer Eckpunkte denn lebhafte Diskussion. Rothenbühler sagt zum Beispiel: «In den USA bist du auch weit gekommen bei ‹America’s Got Talent› . . .» Burri antwortet: «Ja, ins Viertelfinale.» Darauf meint Rothenbühler: «Das ist ja enorm!» Und dann Burri: «Ja, das war cool.»

Cool und verrückt

Ob das Buch ein Erfolg werde, wisse sie nicht, schreibt Burri im Vorwort. «Aber die Bilder gibt es auch noch, wenn ich dereinst eine uralte Oma bin. Und mit 90 Jahren kann ich dann sagen: Schaut her, ich war verrückt, mit 40 habe ich so ausgeschaut, und alle haben es gesehen. Das ist doch irgendwie cool.»

Irgendwie cool ist das schon, ja, allerdings primär für Leute, die sowieso schon Fans der Schlangenfrau sind und sich an ihr einfach nicht sattsehen können. Für alle anderen sieht die Erfüllung eines Traums anders aus.

Nina Burri:«Body in Motion», Werd-Verlag, 276 Seiten.Performance und Signierstunde: Mi, 30. Mai, 18.30 Uhr, Deltapark, Thun. Anmeldung: mail@weberag.ch.

Berner Zeitung

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