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Jelinek beschreibt Haider als falschen Erlöser

Die österreichische Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek ist seit Jahren als scharfe Kritikerin des Rechtspopulisten Jörg Haider bekannt. Nun hat sie seinen Unfalltod literarisch verarbeitet.

Ohne den verstorbenen Politiker beim Namen zu nennen, beschreibt sie auf über 150 Zeilen die letzten Minuten Haiders vor seinem Verkehrsunfall auf dem nächtlichen Heimweg und spielt dabei auf Goethes Ballade «Der Erlkönig» an. Jelinek verbietet es, aus ihrem Text zu zitieren, was rechtlich jedoch kaum haltbar ist. Zu finden ist die Schrift auf Jelineks Homepage (siehe Linkbox) unter dem Titel «Von Ewigkeit zu Ewigkeit» in der Rubrik «Aktuelles».

Jelinek schreibt von einer nicht beim Namen genannten Person, die als Erlöser gefeiert wird. Diese Person sei nun kein Mensch mehr, sie habe auch nie ein Mensch sein wollen. Der Erlöser schart eine Menge ergebener Jünger um sich. Fasziniert ist Jelinek offenbar vom Phaeton, dem Sonnenwagen, wie sie das Unfallauto Haiders bezeichnet. Das Ganze scheint wie im Rausch geschrieben, mit vielen langen Sätzen, ohne einen einzigen Absatz. Der Text endet mit der Stille nach dem Handygeklingel, der letzten Drohung des Erlösers. Keiner dürfe zweifeln, alle müssten glauben, in Ewigkeit.

Diese wütende Schrift hat eine lange Vorgeschichte, jahrelang hatten sich die Schriftstellerin und der Rechtspopulist bekämpft. 1996 hatte Jelinek aus Abscheu vor der Boulevardpresse und vor Jörg Haider ein Aufführungsverbot ihrer Stücke an österreichischen Bühnen verhängt. Andererseits griff Haider Jelinek und andere kritische Kulturschaffende einst auf Abstimmungsplakaten an, auf denen es hiess: «Wollen Sie Jelinek, Peymann, Turrini und Co? Oder wollen Sie Kunst und Kultur?»

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