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«Israels Besitzanspruch ist befremdlich»

Der Zürcher Germanist Andreas Kilcher über den Rechtsstreit um den Kafka-Nachlass.

Ein Portrait von Franz Kafka (1883-1924) als Student in Prag.
Ein Portrait von Franz Kafka (1883-1924) als Student in Prag.
Keystone

Die Hoffe-Schwestern möchten Teile ihres Kafka-Erbes an das Deutsche Literaturarchiv in Marbach verkaufen. Israel will dies juristisch verhindern mit dem Argument, der jüdische Schriftsteller Kafka sei ein nationales Erbe. Teilen Sie diese Auffassung?Dieser Besitzanspruch ist befremdlich, schon angesichts der Tatsache, dass den Hoffes die Rechtmässigkeit von Erbe und Schenkung 1974 offiziell bestätigt wurde. Befremdlich auch, weil sich zwar viele Intellektuelle in Israel, nicht aber die öffentliche Hand je speziell um Kafka bemüht hat. Und schliesslich ist er befremdlich, weil zumindest hintergründig auch mit dem angeblichen Zionismus Kafkas argumentiert wird. Kafka zum nationalen Kulturgut Israels zu erklären, ist bei aller Sorge um Recht und Nachlass auch der späte Versuch einer politischen Besitznahme. Das hat Kafka nicht verdient.

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