«Ich gebe zu, ich hatte eine etwas schwierige Beziehung zu Bern»

Autor Peter Stamm unterrichtet dieses Semester an der Universität Bern.

Peter Stamm kommt als Professor an die Uni Bern.

Peter Stamm kommt als Professor an die Uni Bern. Bild: Keystone

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Herr Stamm, am Montag treten Sie offiziell die Friedrich-Dürrenmatt-Gastprofessur für Weltliteratur an. Was bedeutet das für Sie?
Peter Stamm: Ich habe mich sehr über die Einladung gefreut. Ich habe ja noch nicht mal mein Studium abgeschlossen, da ist es eine besondere Ehre, nun sogar Gastprofessor zu sein. Auch die Reihe meiner Vorgänger ist sehr schön, da gehöre ich gerne dazu.

Unter Ihren Vorgängern war etwa der Autor Juan Gabriel Va?squez aus Kolumbien. Für ihn war der Aufenthalt in Bern auch eine kulturelle Erfahrung. Was erhoffen Sie sich?
Eigentlich müsste man die Studierenden fragen, was sie sich erhoffen. Sie sollen ja vor allem profitieren. Aber es tut auch mir gut, mich mal wieder mit eher theoretischen Fragen zu beschäftigen. Wichtig ist mir, nicht Professor zu spielen. Das kann ich nicht, und dafür wurde ich nicht eingeladen. Ich möchte den Studierenden die künstlerische Herangehensweise an das Thema Literatur zeigen. Sie ist nicht besser oder schlechter als die wissenschaftliche, aber anders.

Sie bieten ein Seminar an mit dem Titel «Das Leben ist kurz, aber die Stunden sind lang». Was wollen Sie vermitteln?
Es geht um die Zeit in verschiedenen Kunstrichtungen und vor allem in der Literatur. Das ist natürlich ein uferloses Thema. Aber ich habe spannende Gäste im Seminar, einen theoretischen Physiker, eine Tänzerin, eine Theologin, einen Künstler, einen Dramaturgen, eine Philosophin. Sogar mit dem Architekten Peter Zumthor konnte ich ein Gespräch führen, das ich allerdings aufgezeichnet habe. Alle haben eine andere Sicht auf die Zeit, und doch gibt es viele Parallelen.

Welche Beziehung haben Sie zur Stadt Bern?
Ich gebe zu, dass ich früher eine etwas schwierige Beziehung zu Bern hatte. Die Stadt erschien mir etwas zu selbstverliebt, zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Als Thurgauer hört man zum Beispiel dauernd, dass Berndeutsch der schönste Dialekt der Schweiz sei. Aber die Stadt war immer sehr nett zu mir, schon dreimal wurden Stücke von mir hier inszeniert, ich wurde oft zu Lesungen eingeladen, die immer gut besucht waren. Und – ich gebe es zu – die Stadt ist schon sehr schön. Ob auch das mit dem schönsten Dialekt stimmt, ist allerdings eine offene Frage.

Wenn Sie nun wöchentlich ein Seminar an der Uni Bern geben, nehmen Sie sich dann hier ein Zimmer?
Nein, meine Heimatstadt Winterthur ist ja nur eineinhalb Stunden entfernt, und neben der Gastprofessur habe ich noch sehr viel anderes zu tun. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.10.2018, 08:52 Uhr

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