«Grösster! Bester! Ich!»

Seit dreissig Jahren spielt Donald Trump eine wichtige Rolle in der preisgekrönten Zeitungsserie «Doonesbury». Nun gibt es die gesammelten Comicepisoden als Buch. «Trump! Eine amerikanische Dramödie» sorgt für herausragende Einblicke.

Fiktiv? Real? Egal! Donald Trump ist seit dreissig Jahren eine wichtige ­Comicfigur.

Fiktiv? Real? Egal! Donald Trump ist seit dreissig Jahren eine wichtige ­Comicfigur.

(Bild: zvg)

Nicht alle US-Präsidenten haben Glück. Ronald Reagan taucht als virtuelle Figur Ron Headrest auf, George W. Bush ist ein mit dem Sternenbanner umhülltes Nichts, Bill Clinton gibt eine schwebende Waffel. Nur Donald John Trump darf er selbst sein als blonder Dickschädel mit kom­plexer Scheitelfrisur. Ob das nun mehr Glück ist oder Pech, müssen andere entscheiden.

Seit dreissig Jahren spielt Trump in «Doonesbury», einem von Garry B. Trudeau entwickelten und täglich in Hunderten englischsprachigen Zeitungen erscheinenden Comicstrip, eine wichtige Rolle – nämlich die Rolle seines Lebens, die ihn vom Milliardär zum mächtigsten Mann der Welt werden liess.

Die Praxis hat das perfekte Drehbuch für eine unglaubliche Story geliefert, die Trudeau regelmässig aufgreift und auf seine Art und Weise wiedergibt. Ob dabei fiktive Fakten reale Ereignisse stützen oder umgedreht, Trump bleibt jederzeit als Trump kenntlich.

Aufstieg oder Abstieg?

Der Daily Strip «Doonesbury» arbeitet sich seit seiner ersten Veröffentlichung 1970 kritisch bis satirisch an den politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen in den USA ab und erhielt dafür bereits 1975 den Pulitzerpreis.

Das zahlreiche, leicht unübersichtliche Stammpersonal wird immer wieder von prominenten Gästen aus den verschiedensten Sektoren heimgesucht – wie zum Beispiel Donald Trump. In «Trump! Eine amerikanische Dramödie» sind alle Episoden mit Trump-Beteiligung im Zeitraum von 14. September 1987 bis 17. April 2016 kompiliert. Je nach Perspektive ist es die Chronik des Aufstiegs eines Exzentrikers – oder die Chronik des Abstiegs einer ganzen Nation.

Der New Yorker Autor und Zeichner Trudeau, 1948 geboren und damit zwei Jahre jünger als der New Yorker Unternehmer und Politiker Trump, hat sich des Wahnsinns angenommen und präsentiert ihn in der komprimierten Version seiner Fortsetzungsgeschichte als Trauerspiel und Farce, die die im Titel avisierten Genres Drama und Komödie locker zu übertrumpfen wissen.

Viel muss nicht getan werden, um «Mr. T» oder «The Donald» als den zu charakterisieren, der er ist. Alles ist der eigenen Marke, dem eigenen Geschäft untergeordnet, Aufmerksamkeit gilt es um jeden Preis zu erlangen. Sven

Jachmann zählt im Vorwort all die Jobs und Rollen penibel auf, mit denen Trump seit drei Jahrzehnten in «Doonesbury» brilliert: als «das Grossmaul, der Macho, der Rassist, der Megalomane, der Sexist, der Narzisst, der Skrupellose, der Populis...»

Wie genau und weitsichtig relevante Karrierestationen (bei ihm gleichzusetzen mit einem Best-of Verfehlungen) in meist nur vier Panels tagesaktuell festgehalten wurden, ist dank der ­Datierung gut nachzuvollziehen.

Pointiert und plausibel in Bild und Text erzählt Trudeau von einem Mann, der von der Qualität seiner Luxusjacht schwärmt, aber nur sauteuer meint, der seiner Universität neben einem Wappen auch das Motto «Gier est bonum» spendiert, der eine Kandidatur nüchtern als Win-win-Situation mit grandioser Publicity beschreibt.

Grossartig, wie Trudeau eine Wahlkampfrede auf das Wesentliche reduziert: «Grösster! Bester! Ich! Unglaublich! Grösster! Meiner! Längster! Grösster!» und aus mehr als 500 Beleidigungen ein lukratives Geschäftsmodell entwickelt, für das auf der kompletten letzten Seite mit hochwertigen Produktbeispielen Werbung gemacht wird.

Grossartig ebenfalls, wie Trudeau in vielen Schritten eine komplizierte Haupthaarverlegetechnik am lebenden Subjekt erklärt, welches nach getanem Werk selbstverliebt als Mischung aus Dragqueen, Sugardaddy und Clown dreinschaut.

So absurd, so real

Während Trump unter seinem Megascheitel längst den Durchblick verloren zu haben scheint, hilft ihm Trudeau nonchalant auf die Sprünge in dieser Langzeit­beobachtung zweier Patienten (eines Mannes, eines Landes), die wir uns 2017 in besserer Verfassung wünschen würden.

«Trump! Eine amerikanische Dramödie» ermöglicht im quasi doppelten Rückblick aus der Zeitzeugenschaft heraus einen ausschnitthaften, aber intensiven Eindruck von den US-amerikanischen Verhältnissen, wie ihn uns «Doonesbury» allgemein in Abertausenden Episoden seit Dekaden versucht zu vermitteln: eine eigene Wirklichkeit, so fern und absurd, so nah und real.

Donald Trumps Würdigung dieser herausragenden Arbeit Trudeaus spricht für sich und ist stolz abgedruckt: «Tatsächlich lese ich dieses Zeug nicht. Wissen Sie, ich war gut in der Schule, aber ich verstehe im Leben nicht, worum es bei ‹Doonesbury› geht.» Wir leider schon, Mister Pre­sident!

G. B. Trudeau:«Trump! Eine amerikanische Dramödie», aus dem Englischen von Gerlinde Althoff, Splitter-Verlag 2017, 112 Seiten.

Berner Zeitung

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