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Fragwürdige Ehrenrettung

Über 60 Jahre nach der Entstehung erscheint das Jugendwerk «Der Überläufer» von Siegfried Lenz (1926–2014). Der Grund für die späte Publikation ist fast interessanter als das Buch selbst.

1952 schrieb sich der 26-jährige Siegfried Lenz seine Erlebnisse als kämpfender, dann desertierender Soldat der deutschen Wehrmacht von der Seele. Wie sein späterer Roman «Die Deutschstunde», der ihn berühmt machte, thematisiert «Der Überläufer» den Konflikt zwischen Pflichterfüllung und Gewissen: In den Sümpfen zwischen Polen und der Ukraine erlebt der Frontsoldat Walter Proska den Irrsinn des scheiternden deutschen Russlandfeldzugs.

Drangsaliert von Partisanenangriffen und Mückenschwärmen, erlebt er mit, wie seine Kameraden zunehmend den Verstand verlieren und ihr versprengter Haufen sinnlos verheizt wird. Dabei lädt er selber Schuld auf sich, als er irrtümlich seinen Schwager erschiesst. Getrieben von einem naiven Idealismus, läuft er zur Roten Armee über. Und wird nach Kriegsende als Beamter in der DDR bitter enttäuscht.

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