«Es ist sozusagen ein neues Genre!»

Ex-Skifahrer Marc Girardelli gibt zurzeit mehr Interviews als während seiner Karriere als Spitzensportler. Er hat mit Schriftstellerin Michaela Grünig einen Krimi geschrieben: «Abfahrt in den Tod»

Kein Käse: Marc Girardelli und Michaela Grünig haben einen Ski-Krimi geschrieben.

Kein Käse: Marc Girardelli und Michaela Grünig haben einen Ski-Krimi geschrieben.

(Bild: zvg)

Sie sind eine Skilegende, ein Unternehmer, haben ein Kleiderlabel. Nun schreiben Sie Krimis. Gibt es eigentlich etwas, das Sie nicht können?Marc Girardelli: Natürlich. Aber ich bin sehr neugierig und will immer wieder Neues ausprobieren. Ich habe keine Angst vor Misserfolg, sondern davor, dass mir die Zeit davonläuft. Ob etwas gut herauskommt, ist nebensächlich, mir geht es ja ums Ausprobieren. Misserfolge sind keine Makel. Ich habe schon immer ­gute Lehren daraus gezogen.

Das Schreiben scheint ein Erfolg zu sein.Schreiben ist eine tolle Arbeit, man kann sich ständig weiterentwickeln. In der Schule damals hielten meine Lehrer nicht viel von meinem Schreibstil. Ich möchte ihnen gern etwas beweisen. (lacht) In «Abfahrt in den Tod» war ich für die skithematischen Passagen zuständig.

Und Michaela Grünig für das Kriminalistische? Sie schreibt normalerweise Liebesromane.Wir haben uns vor einem Jahr bei einem Golfturnier getroffen. Ich will ja schon lange ein Buch schreiben, aber nicht so eine lapidare Biografie, wie hunderttausend andere Sportler es tun. Also zeigte ich ihr ein paar meiner Kolumnen. Sie war begeistert. Auch weil es eine Kriminalgeschichte im Weltcupzirkus noch nie gegeben hat. Es ist sozusagen ein neues Genre! Und ich kann die Emotionen, die ich beim Rennsport verspürt habe, in einer fiktiven Geschichte fast besser darstellen als in einer Biografie.

Aber der Protagonist heisst Marc Gassmann. Doch so etwas wie ein Alter Ego?Bestimmte Wesenszüge sind schon sehr ähnlich. Aber weil es ein Roman und keine Biografie ist, kann ich persönliche Er­lebnisse weitergeben, auch an Menschen, die sich jetzt nicht ­unbedingt fürs Skifahren inte­ressieren.

Es geht ziemlich ab in Ihrem Krimi: Sie sprechen Manipulationen an Regionalrennen an, verbotene Sportwetten, Neid und Gier unter den Sportlern. Entspricht das der Realität?Natürlich, klar, ich habe vieles so erlebt. Nicht, dass jetzt jemand erschossen wurde. Und der Skisport eignet sich auch nicht so gut für illegale Sportwetten.

Der frühere Skistar und heutige Entertainer Hansi Hinterseer hat das Vorwort geschrieben, haben sich auch andere Kollegen von früher gemeldet?D’Ursula. Ja, die Ursula Konzett hat mich heute morgen angemailt, weil sie mich gestern im Fernsehen gesehen hat, sie fragte, wo sie das Buch kaufen könne. Oder ob sie es für ein anderes ­gutes Buch tauschen könne, sie bot mir einen Kafka an. Natürlich nahm ich an.

Sie haben sich für das Pressebild in einen früheren Dress der Schweizer Skifahrer geworfen. Wären Sie gerne für unser Land gestartet?Im Buch bin ich halt ein Schweizer, Marc Gassmann aus Wengen. Aber ihr müsst keine Angst haben, ich fange nicht wieder an, Rennen zu fahren. Ich will euch ja nicht die Führungsposition streitig machen . . . (lacht) Der Dress übrigens gehört Daniel Mahrer, ich habe ihn gefragt, ob er seinen Käseanzug noch habe. Er fand ihn auf dem Dachboden. So, wie er sich anfühlte, muss er relativ lange dort herumgehangen haben.

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