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Eine lange Reise ohne Ankunft

Mit «Das Schloss» hat der Berner Georg Lukàcs ein stimmungsvolles Kunstbuch geschaffen. Auf Tuschzeichnungen hält er jene düstere Stimmung fest, die Franz Kafka im gleichnamigen Roman heraufbeschworen hat.

Starke Kontraste, grosse Wirkung: Georg Lukàcs' Tuschzeichnungen bestechen durch präzise, schnelle Striche.
Starke Kontraste, grosse Wirkung: Georg Lukàcs' Tuschzeichnungen bestechen durch präzise, schnelle Striche.
zvg

Der Landvermesser K. kommt an. Im Hintergrund ist das Dorf zu sehen, das ihn gerufen hat – aber nicht in Empfang nehmen will. Die einzelnen Häuser sind in tiefes Schwarz getaucht, während der präzise, schnelle Tuschstrich den Landvermesser bloss als Umriss darstellt.

Für sein jüngstes Kunstprojekt hat sich der 76-jährige, in Bremgarten lebende Psychologe Georg Lukàcs von Franz Kafkas «Das Schloss» inspirieren lassen. «Bevor ich das Projekt angefangen habe, kämpfte ich mich wieder einmal durch den Roman. Und plötzlich war die Idee für die Serie da», erinnert er sich. Auf 27 Tuschzeichnungen durchlebt «sein» Landvermesser den Wahnsinn, der von der mysteriösen Ortschaft ausgeht: Die wirren, bürokratischen Strukturen halten K. immer wieder davon ab, ins Schloss zu gelangen. «Ich wollte aber keine Buchillustrationen machen. Viel wichtiger war es mir, die Stimmung des Romans wiederzugeben.»

Und das ist ihm gelungen. Mit wenigen, schnellen Strichen, die er kurz vor dem Trocknen an manchen Stellen verwischt, hat Lukàcs eine stimmungsvolle, eigenwillige Welt geschaffen, in der sich die oftmals gesichtslosen Figuren bewegen. Der Künstler spielt mit den Proportionen und hebt stets jenes Subjekt hervor, das auf der jeweiligen Zeichnung zentral ist – ein Haus, das Schloss oder einen Haufen anonymer Beamter. Melancholisch muten die Szenen an, auf denen K. das Schloss in der Ferne sieht – und doch keinen Schritt darauf zugehen kann, weil ihm Barrieren den Weg versperren.

Elegante Publikation

Die Tuschzeichnungen veröffentlicht der Künstler nun in Form eines limitierten, signierten Kunstbuchs, das er im Eigenverlag produziert hat. Um die einzelnen Zeichnungen in die Handlung des Romans einzuordnen, hat Lukàcs, der ursprünglich aus Ungarn stammt und seit 1956 in der Region Bern lebt, kurze Texte verfasst – «von Kafka selbst habe ich keine Romanauszüge für meine Publikation übernommen».

«Das Schloss», wie er sein Buch nennt, besticht nicht nur durch die wundervollen Zeichnungen, sondern auch durch sein elegantes Layout: hochwertiges, strahlend weisses Papier lässt den Figuren viel Raum – die satte schwarze Farbe schafft dazu einen starken Kontrast.

Originalzeichnungen

Ab diesem Sonntag ist nicht nur die Publikation erhältlich: Lukàcs, der seine Zeichnungen, Gemälde und Fotografien seit den Siebzigerjahren regelmässig in Galerien und Museen zeigt, stellt die Originalzeichnungen in der Galerie Doktorhaus in Oberdiessbach aus.

Ausstellung: bis am 18. Oktober, Galerie Doktorhaus, Thunstrasse 7, Oberdiessbach. (Buch-)Vernissage: So, 20.9., 14.30 Uhr. Der Künstler ist anwesend.

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