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Ein übler Duft von Coco Chanel

Eine neue Biografie stellt Frankreichs Modeikone als glühende Antisemitin dar.

Die Modemacherin als Model: Coco Chanel liess sich selber gerne fotografieren. (undatierte Aufnahme)
Die Modemacherin als Model: Coco Chanel liess sich selber gerne fotografieren. (undatierte Aufnahme)
Keystone
Eine Dame von Welt: Porträt von Coco Chanel. (25. Februar 1932)
Eine Dame von Welt: Porträt von Coco Chanel. (25. Februar 1932)
Keystone
Aktuelle Mode von Chanel: Ein Model auf dem Laufsteg in Paris. (5. Juli 2011)
Aktuelle Mode von Chanel: Ein Model auf dem Laufsteg in Paris. (5. Juli 2011)
Keystone
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Menschliche Ikonen neigen dazu, postum zu wanken. Zu Lebzeiten schützt sie ja meist die Aura der Überhöhung. Nun gerät eine Dame spät in Verruf, die auf ihrem Gebiet eine wahre Revoluzzerin war, eine Befreierin der Frau, eine Ikone eben: Gabrielle Bonheur Chasnel, der Welt besser bekannt als Coco Chanel (1883–1971). Die Tochter von Schaustellern aus den Cevennen kürzte den Frauen den Rock zu einer Zeit, da diese in unseren Breitengraden noch möglichst züchtig aufzutreten hatten. Sie schnürte ihnen die Korsetts auf, die zwar die Figur modellierten, aber ihnen auch den Atem abschnitten. Und Chanel brachte Gerüche auf den Markt, die den Frauen noch heute schmeicheln. Allen voran N° 5, kreiert 1921, das berühmteste Parfüm aller Zeiten.

Nun aber gibt eine andere Nummer zu reden, und es ist kein schönes Reden: F-7124, die Chiffre für Coco Chanels angebliche Arbeit für die Abwehr, den Geheimdienst der Nazis. Der amerikanische Journalist und ehemalige Diplomat Hal Vaughan schreibt in einer Biografie, die gestern in die Buchhandlungen kam, Coco Chanels Codename sei «Westminster» gewesen – nach dem Herzog von Westminster, einem Freund und gelegentlichen Liebhaber der Französin. In die Nähe der Nazis brachte sie allerdings eine andere Liebschaft. Vaughan schreibt in «Sleeping With the Enemy – Coco Chanel’s Secret War» («Im Bett mit dem Feind – Coco Chanels geheimer Krieg»), «Mademoiselle» habe sich 1940, mit 57, unsterblich verliebt in einen 13 Jahre jüngeren deutschen Offizier, den Baron Hans Günther von Dincklage. Der Mann war kultiviert, sprach ein schönes Französisch. Und er hatte als Geheimdienstagent in Frankreich einen direkten Draht zu Hitler und Goebbels.

Abscheu gegen Juden

Es war wohl seiner Hilfe zu verdanken, dass Coco Chanel auch nach der Besetzung von Paris im Hotel Ritz wohnen durfte, obschon die beste Adresse in der Stadt eigentlich den hohen deutschen Funktionären vorbehalten war. Der Baron dürfte ihr auch dabei geholfen haben, der jüdischen Unternehmerfamilie Wertheimer die Vermarktung von N° 5 zu entziehen. Es waren wohl nicht nur kommerzielle und private Motive, die sie antrieben. Vaughan schreibt, die Modeschöpferin sei «wild antisemitisch» gewesen, «und das schon lange bevor dies ein Mittel war, um dem deutschen Besatzer zu gefallen». Und weiter: «Sie wurde reich, indem sie sich die Gunst der sehr Reichen erschlich und deren Abscheu gegen die Juden, die Gewerkschaften, die Freimaurer, die Sozialisten und die Kommunisten teilte. Nach 1933 fand sie, Hitler sei ein grosser Europäer.»

Ganz unbekannt war ihre Neigung nicht. Doch nach dem Krieg profitierte sie offenbar davon, dass sie es auch mit einigen mächtigen Alliierten gut konnte. Zumal mit Winston Churchill, von dem es heisst, er habe sich für Coco Chanel, als sie verhört wurde, eingesetzt. Sie lebte danach zehn Jahre in Lausanne im Exil, bevor sie nach Paris zurückkehrte, ihr Label reanimierte und 1971 in ihrer Suite im Ritz starb. Als Ikone, lange unverwüstlich. In keinem der Filme, die ihrem Leben bisher gewidmet wurden, war die dunkle Seite von «Mademoiselle» ein Thema.

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