«Diese WM ist mir vollkommen egal»

Die Fussballpoeten der Schwalben­könige um den Berner Autor Pedro Lenz (53) rufen auf ihrem neuen Album dazu auf, die WM in Russland zu boykottieren.

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Herr Lenz, auf der neuen Schwalbenkönige-CD fordern Sie den Boykott der WM. Gilt der Appell nur für Spieler? Oder werden Sie sich tatsächlich keine Spiele ansehen?Pedro Lenz:Natürlich wäre es wünschenswert gewesen, wenn eine oder mehrere Nationalmannschaften hingestanden wären und gesagt hätten: «In diesem Staat, in dem Oppositionelle mundtot gemacht werden, in dem die Demokratie mit Füssen getreten wird, in diesen Staat gehen wir keine Weltmeisterschaft spielen.»

Aber? Erstens wissen wohl die meisten Spieler nichts über Politik und die Kriege in Syrien und der Ukraine, und zweitens wollen alle mit der Weltmeisterschaft Geld verdienen, von Coca-Cola bis zum Kneipenwirt im Quartier. Mein Boykott besteht darin, dass mir diese WM und die nächste in Katar vollkommen egal sind. Ich werde auch nicht darüber schreiben.

Seit es die Schwalbenkönige gibt, hat sich die Schweizer Nati nur einmal nicht für eine EM- oder WM-Endrunde qualifiziert. Es scheint einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Ihren Leistungen und jenen der Fussballer zu geben. Ich glaube schon, dass sich die Nationalspieler in den Quali­spielen mehr Mühe geben, wenn sie wissen, dass bei erfolgreicher Qualifikation eine CD der Schwalbenkönige rauskommt. An der EM 2012, an der die Schweiz nicht qualifiziert war, kam auch keine CD von uns. So etwas möchte keiner nochmals erleben.

«An der EM 2012, an der die Schweiz nicht qualifiziert war, kam auch keine CD von uns. So etwas möchte keiner nochmals erleben.»Pedro Lenz

Die neue CD ist ein Best-of mit nur drei neuen Texten. So was machen grosse Bands norma­lerweise, wenn sich das Ende ihrer Karriere abzeichnet. Muss man befürchten, dass die Schwalbenkönige vor ihrer ­Auflösung stehen? Nein, die Auflösung steht nicht zur Debatte, ich glaube die Truppe besteht so lange, wie alle Mitglieder noch gehen und stehen können. Die Auflösung wird irgendwann biologisch erfolgen.

Auf der neuen CD gibt es alte Texte, die klingen, als wären Sie heute geschrieben worden. «Sü-Sü-Südafrika» von 2010 zum Beispiel thematisiert ­YB-Modefans. Wie haben Sie den ganzen Rummel um den YB-Meistertitel erreicht? Der YB-Rummel ist ein schöner Rummel, weil er nicht von Carlsberg alkoholfrei oder von Gazprom organisiert wurde, sondern von den Leuten auf der Strasse, die Freude haben und die sich so lange nach diesem Titel gesehnt haben. Es war ein kreativer Rummel, der zu YB und zu Bern gepasst hat.

Ich frage jetzt trotz allem noch, wer Weltmeister 2018 wird. Es ist mir wie gesagt einerlei. In einem deutschen Sportmagazin stand unlängst, die Deutschen wollten es wieder machen. In spanischen Sportzeitungen tippen viele auf Spanien. Die Franzosen glauben fest an die «Bleus». Und russische Sportzeitungen lese ich nicht, weil ich sie nicht verstehe.

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