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Deutsche dürfen erotische E-Books nur nachts kaufen

Deutschland diskutiert über ein veraltetes Jugendschutzgesetz. Der Rest der Welt ist amüsiert und spottet.

Tagsüber nur jugendfreie Inhalte: Besucher an der Paris Book Fair lesen auf einem portablen Gerät. (20. März 2015)
Tagsüber nur jugendfreie Inhalte: Besucher an der Paris Book Fair lesen auf einem portablen Gerät. (20. März 2015)
AFP

Ein Gesetz aus dem Jahr 2002 hat plötzlich Auswirkungen auf den E-Book-Verkauf – und zwar reichlich absurde: E-Books mit «jugendgefährdenden» Inhalten, also etwa Erotik oder Gewalt, dürfen in Deutschland nur noch zwischen 22 und 6 Uhr heruntergeladen werden.

Denn im erwähnten Telemediengesetz werden E-Books wie indizierte Filme behandelt, die ebenfalls nicht vor 22 Uhr ausgestrahlt werden dürfen, wie die «Welt» berichtet. In erster Linie wurde das Gesetz für Kinofilme erlassen. Der Gesetzgeber ging davon aus, dass Jugendliche nach 22 Uhr keine Vorstellungen mehr besuchen.

Klage gegen «Schlauchgelüste»

Dass dies nun die E-Books trifft, sorgt in Deutschland für Diskussionen. Grund für die aufkeimende Debatte ist eine Klage der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien gegen einen Online-Buchhändler. Stein des Anstosses war eine autobiografische Transgender-Geschichte von Jacob Winter mit dem Titel «Schlauchgelüste». Die Jugendschützer störten sich an der leichten Verfügbarkeit der gemäss Selbstbeschreibung «drastischen» Inhalte des Buches.

Verkäufer von E-Books müssen sich nun etwas einfallen lassen. Derzeit verhandeln sie mit den Jugendschützern über eine Lösung. Denkbar ist etwa eine Software, die entsprechende Angebote nach 22 Uhr automatisch vom Netz nimmt. Andernfalls drohen Bussen von 50'000 Euro.

Internationaler Spott

Während Deutschland diskutiert, ist der Rest der Welt amüsiert. Sogar die BBC berichtet über den Fall. Ein Blogger weist dort beispielsweise darauf hin, dass das Gesetz nur auf deutsche Anbieter angewendet werden kann und sich Minderjährige die fraglichen Inhalte bei der internationalen Konkurrenz besorgen könnten.

Kommentarschreiber auf anderen Portalen fragen, ob man gemäss diesem Gesetz nicht auch Online-Pornografie tagsüber sperren müsste oder amüsieren sich in Anspielung auf beschränkte Ladenöffnungszeiten darüber, dass es in Deutschland «für alles eine Zeit» gebe.

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