Der unermüdliche Krimi-Schreiber

Der ehemalige Migros-Aare-Sprecher Thomas Bornhauser schreibt fast im Jahrestakt Krimis. Er verarbeitet unglaubliche Geschichten, die er während seiner Karriere verschweigen musste.

Autor Thomas Bornhauser sammelt in seinem Reich in Wohlen Schätze von Reisen auf der ganzen Welt.

Autor Thomas Bornhauser sammelt in seinem Reich in Wohlen Schätze von Reisen auf der ganzen Welt.

(Bild: Christian Pfander)

Mirjam Comtesse

Thomas Bornhauser ist im Schuss. Eigentlich verbringt er seine Tage momentan in seiner Ferienwohnung im Wallis. Nur für das Gespräch mit dieser Zeitung ist er für einen Morgen zurückgekommen ins Haus in Wohlen, wo er gemeinsam mit seiner Frau lebt. Danach will er gleich wieder aufbrechen nach Vercorin. Dort entstehen jeweils seine Krimis.

Der vierte und neuste heisst «Wohlensee» und erscheint Ende Monat. Er handelt von Schönheitskliniken, Autoschieberei und Sportdoping. Klingt nach sehr vielen verschiedenen Themen? Genau dieser Informationsreichtum zeichnet Thomas Bornhausers Romane aus. Die eigentliche Geschichte droht teilweise unter der Fülle an Nebenthemen unterzugehen. Aber der Autor verliert zum Glück nie ganz den Faden.

Er blieb stets sich selber treu

«Dank dem Schreiben kann ich mich mit all den Themen befassen, die mich interessieren», sagt Thomas Bornhauser. Entsprechend viel Zeit investiert er in die Recherche. So führte ihn «Wohlensee» bis nach Bukarest und Warschau, wo er aus sicherer Distanz zuschaute, wie Autoschieber einen Wagen professionell auseinandernahmen. Die Einzelteile werden sie später auf dem Schwarzmarkt als günstige Ersatzteile verkaufen. «Diese Leute hätten punkto Schnelligkeit jedem Radwechselteam in der Formel 1 Konkurrenz gemacht», sagt Thomas Bornhauser. Er habe nach seiner Rückkehr bei der Schweizer Autoindustrie nachgefragt, wie man mit illegalen Ersatzteilen umgehe. Die Antwort war ein lapidares: «Da kann man nicht viel dagegen machen. Lieber dies als minderwertige Kopien aus Fernost.»

Der 68-Jährige schlüpft gerne in die Rolle des Unbequemen, der hinterfragt, was andere einfach hinnehmen. Als die damalige Migros Bern vor mehr als 30 Jahren einen Mediensprecher suchte, sei er zum zweiten Vorstellungsgespräch statt in Anzug und Krawatte in Jeans und T-Shirt erschienen. «Ich dachte, ich will den Job eh nicht unbedingt, da kann ich auch ein bisschen provozieren.» Den damaligen Chef habe genau das überzeugt: «Er sagte: ‹Ich brauche einen Querkopf.›» Diesen Part übernahm Thomas Bornhauser mit Freude: «Ich spielte während 28 Jahren den Hofnarren.»

Das tönt spassig, aber die Geschichten, die er erzählt, handeln auch von einem, der nicht bereit war, sein soziales Gewissen der Logik der Marktwirtschaft zu opfern. Damit eckte er mehr als einmal bis in die höchsten Chefetagen an. «Aber ich hatte immer Rückendeckung von meinen direkten Vorgesetzten.» Damit Thomas Bornhauser einige der Episoden weitergeben kann, ohne jemanden in Schwierigkeiten zu bringen, vermischt er sie heute mit fiktionalen Elementen. «Deshalb habe ich mich entschieden, nach meiner Pensionierung im Oktober 2013 Krimiautor zu werden», sagt der 68-Jährige.

Zunächst machte er Schuhe

Thomas Bornhauser hat nicht nur als Mediensprecher der Migros Aare viele schräge Geschichten erlebt. Sein Lebenslauf ist ebenfalls ungewöhnlich: Als er zwei Jahre alt war, zogen seine Eltern mit ihm nach New York. Sein Vater war Diplomat. Mit neun kam er nach Bordeaux, und erst als er zwölf war, kehrte die Familie zurück nach Bern.

Nach seiner KV-Lehre arbeitete Thomas Bornhauser in einer Skischuhfabrik, zwischenzeitlich war er sogar im Rennservice der Schweizer Skinationalmannschaft. Er überwarf sich jedoch mit seinem Chef und landete danach für einige Jahre in der Reisebranche. «Ich bin auf der ganzen Welt herumgereist und habe die verrücktesten Sachen gesehen», sagt er. Als Migros-Sprecher zeigte sich dann endgültig seine Leidenschaft fürs Schreiben.

Zusätzlich zu seiner täglichen Arbeit verfasste er während 20 Jahren das sogenannte Ferienbüchlein. Kundinnen und Kunden konnten das Heft mit dreissig bis vierzig Kurzgeschichten kurz vor den Sommerferien gratis beziehen. «Die Auflage von 25'000 Exemplaren war jeweils in kürzester Zeit weg», sagt Thomas Bornhauser. «Ich werde noch heute auf die Ferienbüchlein angesprochen.»

Bald folgt Nummer fünf

Er ist ein Vielschreiber. Seit seiner Pensionierung erscheint fast jedes Jahr ein Krimi von ihm. Der nächste ist bereits fertig. Er heisst «Passagier 2019» und handelt unter anderem vom AKW Mühleberg, das nächstes Jahr abgestellt wird. Im Moment arbeitet der Autor aber bereits an seinem sechsten Kriminalroman, der 2020 erscheinen soll. Im Zentrum steht ein fiktives Luxusresort im Berner Oberland. Touristen können dort etwa dank einer 3-D-Projektion hautnah miterleben, wie sich eine Fahrt von Lauterbrunnen auf das Jungfraujoch anfühlt.

Im Buch geht es aber auch um das Zollfreilager in Genf, das mit all seinen eingelagerten Schätzen als das grösste Kunstmuseum der Welt gilt. Die Recherche ist abgeschlossen, Thomas Bornhauser muss das Buch nur noch schreiben. «Wenn ich mal dran bin, geht es mir wie Beethoven beim Komponieren: Ich bekomme nichts von der Welt um mich herum mit», sagt er. Am besten gelingt ihm dies im Wallis. Er wird deshalb den nächsten Zug dorthin nehmen.

Berner Zeitung

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