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«Der Stadtrat befand sich in einer Sackgasse»

Die Befürworter eines Museums im Strauhof feiern einen Etappensieg. Die SVP kritisiert den Entscheid.

Von Peter Aeschlimann

Der Rückzieher der Stadt in Sachen Strauhof bewegt die Zürcher Politiker. Deutliche Worte findet SVP-Gemeinderat Mauro Tuena. Er vermutet, dass Corine Mauch und Kulturchef Peter Haerle «extrem unter Druck» geraten seien. Dass der Stadtrat nun seinen Entscheid überdenke, mache ihn unglaubwürdig.

Überrascht von der Ankündigung zeigt sich Bernhard Piller (Grüne). Er hat letzte Woche zusammen mit AL-Gemeinderätin Andrea Leitner Verhoeven einen Vorstoss im Parlament eingereicht, der die Erhaltung des Literaturmuseums Strauhof «in irgendeiner Form» fordert. Die jüngste Entwicklung führt er aber nicht allein auf dieses Postulat zurück. Eine Rolle gespielt hätten wohl auch die Kritik an den Plänen der Stadt und der Ausstieg der ETH beim Bärengasse-Projekt. «Im Präsidialdepartement hat man sich überlegt, wie man sich aus dieser Sackgasse befreien kann», sagt Piller. Die Ankündigung, alle Projekte «noch einmal ergebnisoffen zu prüfen», bedeute vorderhand nichts. Deswegen halte man am Postulat fest.

In diesem heisst es etwa: «Es kann nicht um ein Entweder-oder gehen.» Literaturmuseum und das geplante Literaturlabor Jull dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden. Die Postulenten wünschen sich einen offenen Diskurs über ein modernes, zeitgemässes Literaturmuseum mit Ausstrahlung. «Der Standort Strauhof ist dafür optimal», sagt Bernhard Piller. Ursprünglich initiiert hatte den Vorstoss die Sozialdemokratin Eva-Maria Würth. Ihre Fraktion habe dann aber per Mehrheitsbeschluss entschieden, das Postulat nicht mitzuunterzeichnen.

SP-Plan ist nicht aufgegangen

Die SP ist derweil bemüht, den Schaden in Grenzen zu halten. «Logisch ist das Ganze ein bisschen unglücklich gelaufen», sagt Fraktionschefin Min Li Marti. Der Plan sei nicht aufgegangen, deshalb sei es richtig, dass man die Situation neu analysiere. «Es zeugt auch von Grösse, dass Corine Mauch das Vorhaben nicht einfach durchgeboxt hat», sagt Marti.

Ann-Catherine Nabholz, Mitglied der Grünliberalen und Literaturwissenschaftlerin, setzt sich für die Rettung des Literaturmuseums ein. Sie schöpft nach gestern Hoffnung, dass der Strauhof bestehen bleibt und nicht durch ein Schreiblabor ersetzt wird. Nabholz glaubt, dass das grosse mediale Echo die Stadt dazu bewogen hat, auf ihren Entscheid zurückzukommen.

Ebenfalls Michael Baumer von der FDP begrüsst das Vorgehen der Stadt. Es könne nicht sein, dass auf eine erfolgreiche Institution verzichtet werde, ohne dafür einen adäquaten Ersatz zu präsentieren. Überdies sei mittlerweile zweifelhaft, ob mit der ursprünglichen Strategie der Stadt tatsächlich Kosten hätten eingespart werden können. «Darum ist der Entscheid richtig», so Baumer.

Auch in der Kultur dürfe es selbstverständlich Veränderungen geben, sagt Michael Baumer. Dabei gelte es aber, vorher mögliche Folgen eines Entscheids korrekt abzuklären. Er glaube nicht, dass Corine Mauch und Peter Haerle dies im Fall Literaturmuseum Strauhof getan hätten.

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