Der Regenbogenfisch wird 25

Von so einem Riesenerfolg können andere nur träumen: Vor 25 Jahren veröffentlichte der Berner Marcus Pfister den «Regenbogenfisch». Das Bilderbuch hat sich seither über 30 Millionen Mal in über 50 Sprachen verkauft.

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Marina Bolzli@Zimlisberg

Was macht ein Autor, der über 30 Millionen Exemplare von seinem Buch verkauft hat? Er sitzt in seinem Atelier in Bern und staunt. Marcus Pfister staunt seit fünfundzwanzig Jahren. Damals wurde der «Regenbogenfisch» im Schweizer Verlag Nord-Süd publiziert.

Es war sein 17. Bilderbuch, und der Berner war in Gedanken längst bei seinem nächsten Werk. Aber dann: «Plötzlich ging es ab. In Bern waren die Gestelle in den Buchhandlungen voll mit dem ‹Regenbogenfisch›. Das sah ich, das konnte ich einordnen. Für die USA druckten wir bald darauf 1 Million Exemplare. Das war so weit weg – ich hörte die Zahl und konnte sie mir nicht vor­stellen.»

Marcus Pfister lacht. Seit dem Regenbogenfisch lebt er vom Bilderbuchschreiben. Seinen Job in der Werbebranche gab er damals auf, er hatte keine Zeit mehr dafür. Der Regenbogenfisch hält sich an den Wänden in Pfisters Atelier im Spiegel bei Bern aber vornehm zurück.

Die Originalbilder des Glitzerfischs werden seit diesem Sommer für drei Jahre an einer Wanderausstellung in Japan gezeigt. In Asien liebt man den Regenbogenfisch. Vor allem in Südkorea. Dort verkauft der 57-Jährige jedes Jahr 100'000 Bücher. Eben ist er von einer mehrwöchigen Lesereise in Südkorea, Japan und China zurückgekehrt.

Zeichnungen aus aller Welt

Nun sitzt er wieder im Atelier. An den Wänden dominieren künstlerische Werke, die der gelernte Grafiker als Ausgleich zu den Bilderbüchern fertigt. Perfekt ausgeleuchtete Makroaufnahmen von Früchten. Oder eine kleine Serie von erfundenen Geweihen für jede Stimmung.

Werke, die Pfister sicher auch verkaufen könnte, aber er will nicht. Im hinteren Teil des Raums eine Bibliothek, Bilderbuch an Bilderbuch. Alles Werke von Pfister. Daneben zahlreiche Kinderzeichnungen, farbenfroh gestaltete Briefe, die Pfister aus der ganzen Welt erhalten hat. Fast immer ist ein Regenbogenfisch zu erkennen.

Warum gerade dieses Buch? Diese simple Geschichte von einem Fisch mit Glitzerschuppen, der einsam und eingebildet durch die Meere zieht und erst glücklich wird, als er beginnt, seine Schuppen mit anderen zu teilen? Marcus Pfister kann sich das bis heute nicht so recht erklären.

«Manchmal kommen Menschen auf mich zu und erklären mir, wie der Regenbogenfisch ihnen in einer bestimmten Situation geholfen hat. Das freut mich. So richtig nachvollziehen kann ich es aber nicht, denn diese tiefere Bedeutung hat der Regenbogenfisch für mich nicht», sagt er. «Von einem gewissen Erfolg an gehört ein Buch den Leuten und nicht mehr dem Autor selbst.» Das habe er in den vergangenen Jahren gelernt.

Der Regenbogenfisch gehört allen. Von ihm gibt es Handyhüllen, Spiele, Puzzles, Liederbücher, Musicals, Puppentheater und Unzähliges mehr. Nicht alles findet Pfister gut: «Die Fernsehserie ist völlig amerikanisiert, da wird zum Beispiel unter Wasser Eishockey gespielt. Und es war einer der schlimmsten Verträge, die der Verlag je machte.»

Dem Verlag Nord-Süd ist Pfister bis auf ein paar Ausnahmen treu geblieben. Alle paar Jahre schreibt er eine Fortsetzung der Geschichte des Regenbogenfischs, zum 25-Jahr-Jubiläum erschien der 8. Band. Dazwischen probierte Pfister neue Techniken aus, entwickelte andere Charaktere.

Doch für den Verlag war die Erfolgsgeschichte doppelschneidig: Fünf Jahre vorher hatte er mit dem «Kleinen Eisbär» bereits einen riesigen Verkaufshit. Nach dem Regenbogenfisch ging Nord-Süd aufs Ganze, gründete einen amerikanischen Verlag und ging zehn Jahre später fast in Konkurs.

«Durch den Welterfolg war man wohl ein wenig leichtsinnig geworden und dachte, man weiss, wie der Hase läuft», blickt der heutige Geschäftsführer Herwig Bitsche zurück. «Der Regenbogenfisch selbst kam unbeschadet aus dieser Sache heraus. Er ist heute wieder eine tragende Säule für uns», sagt Bitsche.

Politisierter Fisch

Der Regenbogenfisch sorgte weltweit für Hoffnungen und Projektionen. Auch politisch. «Irgendwann hiess es in den USA: Der Regenbogenfisch ist schlecht, er propagiert den Kommunismus. Republikaner sprachen sich gegen das Buch aus. Seither ist es ein Lieblingsbuch der Demokraten», sagt Marcus Pfister und grinst.

Es gingen Pressebilder um die Welt, auf denen Michelle und Barack Obama einer Kinderschar die Geschichte des Regenbogenfischs erzählen. Pfister freut sich darüber. Und meint schweizerisch bescheiden: «Der Fisch ist berühmt, nicht ich bin es.»

Neues Buch:«Der Regenbogenfisch lernt verlieren», Nord-Süd.

Berner Zeitung

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