Zum Hauptinhalt springen

Der listige Chronist des normalen Lebens

Immer wieder hat er die Regeln der Literatur unterlaufen. Zum Auftakt des 5. Berner Literaturfests erhält der in Berlin lebende Matthias Zschokke am Mittwoch für sein Werk den Grossen Literaturpreis von Stadt und Kanton Bern.

Anne-Sophie Scholl
Der diesjährige Preisträger Matthias Zschocke 2012 in Venedig.
Der diesjährige Preisträger Matthias Zschocke 2012 in Venedig.
zvg/Sébastien Agnetti
«Jörg Steiner war ein renommierter Autor, als es in der Schweiz noch keine renommierte Literatur gab. Die, die einmal im Schatten waren, liess man im Schatten. Und in diesem Schatten schuf Steiner ein grosses Werk», schreibt Peter Bichsel über den im vergangenen Jahr verstorbenen Jörg Steiner. Er und andere Freunde und Schriftstellerkollegen  gedenken Jörg Steiner und dessen Werk in dem Sammelband «Auch das könnte wahr sein» und in Lesungen in Bern und Biel.
«Jörg Steiner war ein renommierter Autor, als es in der Schweiz noch keine renommierte Literatur gab. Die, die einmal im Schatten waren, liess man im Schatten. Und in diesem Schatten schuf Steiner ein grosses Werk», schreibt Peter Bichsel über den im vergangenen Jahr verstorbenen Jörg Steiner. Er und andere Freunde und Schriftstellerkollegen gedenken Jörg Steiner und dessen Werk in dem Sammelband «Auch das könnte wahr sein» und in Lesungen in Bern und Biel.
zvg
Seine Texte sind da, um gehört zu werden. Tritt der Wortkünstler  auf die Bühne, hat er die Aufmerksamkeit sofort. Langsam formen sich die schleppend vorgetragenen Worte, der Klang gewinnt Gestalt. Michael Fehr überzeugte die Jury beim  diesjährigen Wettlesen um den Bachmannpreis und brachte den zweiten Preis nach Hause. Am Literaturfest tritt er  mit dem Musiker Simon Ho auf, der im  Avantgarde-Jazz ebenso zu Hause ist wie im Pop und in der Klassik.
Seine Texte sind da, um gehört zu werden. Tritt der Wortkünstler auf die Bühne, hat er die Aufmerksamkeit sofort. Langsam formen sich die schleppend vorgetragenen Worte, der Klang gewinnt Gestalt. Michael Fehr überzeugte die Jury beim diesjährigen Wettlesen um den Bachmannpreis und brachte den zweiten Preis nach Hause. Am Literaturfest tritt er mit dem Musiker Simon Ho auf, der im Avantgarde-Jazz ebenso zu Hause ist wie im Pop und in der Klassik.
zvg
Eine Erfolgsgeschichte ohne Ende: Der Mundartroman «Der Goalie bin ig» um den sympathischen Looser  und seine Lebenswelt der 80er Jahre macht nicht nur in der filmischen Umsetzung Furore, er wurde auch in zahlreiche Sprachen übersetzt: Ins Deutsche,  ins Italienische, ins Französische, aber auch ins Schottische und ins Litauische. Am Literaturfest diskutiert Pedro Lenz mit den Übersetzern, die seinen Roman  in eine französische, schottische und hochdeutsche Version gebracht haben.
Eine Erfolgsgeschichte ohne Ende: Der Mundartroman «Der Goalie bin ig» um den sympathischen Looser und seine Lebenswelt der 80er Jahre macht nicht nur in der filmischen Umsetzung Furore, er wurde auch in zahlreiche Sprachen übersetzt: Ins Deutsche, ins Italienische, ins Französische, aber auch ins Schottische und ins Litauische. Am Literaturfest diskutiert Pedro Lenz mit den Übersetzern, die seinen Roman in eine französische, schottische und hochdeutsche Version gebracht haben.
Urs Baumann
1 / 6

Er sei ein «Telefonallergiker», schreibt Matthias Zschokke aus Berlin: «Glauben Sie mir, am Telefon erfahren Sie nichts von mir. Ich muss die Leute sehen, mit denen ich rede, sonst ist es mir unheimlich und ich bin verstockt.» Ein paar Fragen schriftlich per Mail, das ginge. Mails schreibt der Autor, der dieses Jahr 60 wird, gerne. Soeben ist sein neustes Buch «Die strengen Frauen von Rosa Salva» erschienen. Darin versammelt er auf 400 Seiten Mails, die er Freunden und Bekannten aus Venedig geschrieben hat, als er 2012 auf Einladung einer Kulturstiftung sieben Monate in der Lagunenstadt residierte. Zschokke inszeniert in den Texten sein Unbehagen gegenüber dem erdrückenden Kulturdenkmal und berauscht sich am Alltag in der Stadt. Trotz etlicher Wiederholungen lässt man sich als Leser mitreissen vom Rhythmus der Sprache, der gefühlten Nähe und der lakonischen Art der mäandernden Gedanken.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.

Abo abschliessen