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Der listige Chronist des normalen Lebens

Immer wieder hat er die Regeln der Literatur unterlaufen. Zum Auftakt des 5. Berner Literaturfests erhält der in Berlin lebende Matthias Zschokke am Mittwoch für sein Werk den Grossen Literaturpreis von Stadt und Kanton Bern.

Der diesjährige Preisträger Matthias Zschocke 2012 in Venedig.
Der diesjährige Preisträger Matthias Zschocke 2012 in Venedig.
zvg/Sébastien Agnetti
«Oft wird die Katz missverstanden, man gibt ihr etwas, indem man hochmütig sagt: ‹Es ist für die Katz›, als wären nicht alle Menschen von jeher für sie tätig gewesen»: Um Katz und Maus, Storch, Eule oder Elefant geht es in Robert Walsers Tiergeschichten, immer wieder  aber auch um das Verhältnis des Individuums zu Kultur und Gesellschaft, das sich in der Andersartigkeit des Tiers spiegelt. Im Tierpark Dälhölzli liest Schauspieler Stefan Suske aus dem neuen Sammelband «Der kleine Tierpark».
«Oft wird die Katz missverstanden, man gibt ihr etwas, indem man hochmütig sagt: ‹Es ist für die Katz›, als wären nicht alle Menschen von jeher für sie tätig gewesen»: Um Katz und Maus, Storch, Eule oder Elefant geht es in Robert Walsers Tiergeschichten, immer wieder aber auch um das Verhältnis des Individuums zu Kultur und Gesellschaft, das sich in der Andersartigkeit des Tiers spiegelt. Im Tierpark Dälhölzli liest Schauspieler Stefan Suske aus dem neuen Sammelband «Der kleine Tierpark».
Urs Baumann
Erst wurde er gelobt, zuletzt machte er  jedoch mit Unrühmlichem von sich reden: Urs Mannhart bediente sich für seinen  Roman «Bergsteigen im Flachland» über die Krisenherde in Europa bei einem Kollegen und will dies als Hommage verstanden haben. Das wurde Anfang August bekannt. Aus aktuellem Anlass gibt es statt der Lesung am Samstagnachmittag ein Gespräch des Autors mit Daniel Puntas Bernet, Chefredaktor des Magazins Reportagen und Mannharts Verleger Christian Ruzicska.
Erst wurde er gelobt, zuletzt machte er jedoch mit Unrühmlichem von sich reden: Urs Mannhart bediente sich für seinen Roman «Bergsteigen im Flachland» über die Krisenherde in Europa bei einem Kollegen und will dies als Hommage verstanden haben. Das wurde Anfang August bekannt. Aus aktuellem Anlass gibt es statt der Lesung am Samstagnachmittag ein Gespräch des Autors mit Daniel Puntas Bernet, Chefredaktor des Magazins Reportagen und Mannharts Verleger Christian Ruzicska.
Daniel Fuchs
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Er sei ein «Telefonallergiker», schreibt Matthias Zschokke aus Berlin: «Glauben Sie mir, am Telefon erfahren Sie nichts von mir. Ich muss die Leute sehen, mit denen ich rede, sonst ist es mir unheimlich und ich bin verstockt.» Ein paar Fragen schriftlich per Mail, das ginge. Mails schreibt der Autor, der dieses Jahr 60 wird, gerne. Soeben ist sein neustes Buch «Die strengen Frauen von Rosa Salva» erschienen. Darin versammelt er auf 400 Seiten Mails, die er Freunden und Bekannten aus Venedig geschrieben hat, als er 2012 auf Einladung einer Kulturstiftung sieben Monate in der Lagunenstadt residierte. Zschokke inszeniert in den Texten sein Unbehagen gegenüber dem erdrückenden Kulturdenkmal und berauscht sich am Alltag in der Stadt. Trotz etlicher Wiederholungen lässt man sich als Leser mitreissen vom Rhythmus der Sprache, der gefühlten Nähe und der lakonischen Art der mäandernden Gedanken.

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