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Das «Kapital» von Karl Marx ist ausverkauft

Mitten in der Finanzkrise hat Kapitalismus-Kritiker Karl Marx (1818-1883) Hochkonjunktur. Sein Werk das «Kapital» muss wegen der grossen Nachfrage nachgedruckt werden.

Die deutschsprachige Fassung des Standardwerks «Das Kapital» verkaufte sich in den ersten drei Oktoberwochen 417 Mal. Allein von Dienstag auf Mittwoch gingen 89 Exemplare weg, sagte der Geschäftsführer des Berliner Karl-Dietz-Verlages, Jörn Schütrumpf, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur dpa: «Mittwochmorgen war Marx ausverkauft.» Jetzt wird nachgedruckt.

Seit November 2007 sei «Das Kapital» 2000 Mal über den Ladentisch gegangen, erklärte Schütrumpf. Damit kletterte der Absatz des Klassikers - im Einzelband oder als Band 23 der MEW- Gesamtausgabe (Marx/Engels Werke) - in diesem Jahr bereits auf 2400 Exemplare.

Im gesamten Jahr 2005 seien es dagegen nur 500 Bücher gewesen. «Seit 1946 ist «Das Kapital» in einer Auflage von einer Million Stück gedruckt und verkauft worden», berichtete Schütrumpf. Der Verkauf sei immer in zyklischen Wellen verlaufen.

«Verkauft sich Marx gut, geht es der Gesellschaft schlecht», sagte Schütrumpf: «Wenn er sich verkauft, dann weiss man, dass man vom Elend der anderen profitiert.»

Dabei verlagere sich die Nachfrage nach Marx immer mehr in die westdeutschen Universitätsstädte. «Früher haben wir 25 Prozent der Auflage in Ost-Berlin abgesetzt. Heute sind es in Gesamt-Berlin vielleicht gerade noch zehn Prozent», sagte der Geschäftsführer.

Junge suchen nach Antworten

Detaillierte Zahlen zum Absatz in der Schweiz liegen nicht vor. Beim für Süddeutschland, Österreich und die Schweiz zuständigen Zwischenbuchhändler KNV in Stuttgart ist der Marx-Boom jedoch besonders ausgeprägt. Das Wachstum liegt bei 60 Prozent, wie Schütrumpf auf Anfrage der SDA ergänzte.

Er freut sich über die rege Nachfrage, ist jedoch gegenüber Marx ganz nüchtern. «Bei Marx gibt es keine neuen Lösungen für unsere aktuellen Probleme. Er erklärt nur Zusammenhänge.» Nach dem Eindruck von Schütrumpf greifen vor allem die 20- bis 25-jährigen Studenten nach dem Klassiker.

«Diese Generation hat die Grunderfahrung in unserer Gesellschaft gemacht: Wir brauchen euch nicht, seht selbst zu, wie ihr zurecht kommt», resümierte Schütrumpf. «Das ist der Kalte Krieg der Wohlstandsgesellschaft gegen die eigene Gesellschaft.»

Grosses und sperriges Werk

Für Marx' Gedankengut hat sich auch Regisseur Alexander Kluge erwärmt. Als erster rekonstruierte Kluge Verfilmungspläne für das sperrige, knapp 1000 Seiten umfassende Werk: Der weltberühmte sowjetische Regisseur Sergej Eisenstein (»Panzerkreuzer Potemkin») hatte sein Projekt 1929 nicht umsetzen können.

Unter dem Titel «Nachrichten aus der ideologischen Antike» soll Kluges fast zehnstündiges Werk nach Medienberichten Mitte November als DVD-Box beim Suhrkamp Verlag erscheinen.

SDA/bru

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