Büchsenschiessen mit Habsburgerhelmen

Die Plünderung des Klosters Einsiedeln und die Schlacht am Morgarten gibt es jetzt als Comic. In «Asterix»-Manier – mit viel «Kaabumm» und «Plong!» – kämpft ein Schweizer Dorf gegen Habsburger und Pfaffen.

«Kuhschweizer!» «Dumpfbacken!»: Die Munggenstalder.

«Kuhschweizer!» «Dumpfbacken!»: Die Munggenstalder.

(Bild: ?zvg)

Dominik Galliker@DominikGalliker

Die Schlacht am Morgarten beginnt mit der Erfindung der Ski – sorry: der «Schi», wie sie damals genannt wurden. Dorfchef Hauderi sagt zwar: «Schischi ist das, Holzer-Kudi.» Aber dem Köbi gefällts. Mit einem breiten Grinsen macht er das letzte «Schwüngli».

Mit den historischen Gegebenheiten nehmen es die Macher der neuen Comicbände «Die Munggenstalder» hier und da nicht so genau. Die Eidgenossen spielen mit den Helmen der Habsburger Büchsenschiessen. Herzog Leopold I. wird meist «Poldi» genannt.

Und im nächsten Band wird gar Investor Samih Sawiris ins Andermatt des 14.?Jahrhunderts geschickt, wie Autor Martin Weiss erzählt. «Schweizer Geschichte» steht auf den Titelseiten der «Munggenstalder»-Bücher. Es geht um die Geschichte der alten Eidgenossen. «Aber Geschichte kann ruhig etwas mehr Humor vertragen», sagt Weiss. «Die ganze Diskussion, wer die Deutungshoheit über die Schweizer Geschichte hat – das ist alles so furchtbar ernsthaft.»

Zum Genre des Comics gehöre auch das «liebevolle Sich-lustig-Machen», findet Weiss. Mit Zeichner Rolf Willi erfindet er dafür ein neues Dorf von Eidgenossen: Munggenstalden.

Mit Annekäthy, die «etwelche Bobööli» heilt, mit Chrigi, dem «Prachtbrocken», Köbi, dem Lausbuben, mit Kräuterfrau, Dorfmusiker und Kuh Vroni. In den ersten ­beiden Büchern rauben die Munggenstalder das Kloster Einsiedeln aus und ziehen in die Schlacht am Morgarten. Dabei tauchen auch historische Figuren auf, etwa Werner Stauffacher oder Herzog Leopold.

In den ernsten Szenen schaffen die Autoren die Komik nicht zuletzt über die Sprache. «Dumpfbacken» und «Kuhschweizer» fluchen etwa die Habsburger, als sie gegen Morgarten ziehen.

Und der Späher der Eidgenossen erschrickt: «Mamma mia! Da kommt aber einiges auf uns zu.» Die Zeichnungen erinnern an die «Asterix»-Comics.

Die wichtigen Fakten in den Geschichten stimmen allesamt – nur Blut und Tote sind nirgends zu sehen. Auf den letzten Seiten der Bücher wird jeweils erklärt, wie es historisch wirklich abgelaufen ist.

«Die Munggenstalder» eignen sich für Kinder ab 8 Jahren, heisst es beim Orell-Füssli-Verlag. Autor Weiss hofft jedoch, auch Ältere anzusprechen. Er selber habe jedenfalls noch während des Studiums «Asterix» gelesen.

«Die Munggenstalder»: Orell-Füssli-Verlag, rund 60 Seiten.

Berner Zeitung

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